Besuch kündigt sich an…

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Es ist Freitag und mein Bruderherz hat angekündigt, uns am Sonntag zu besuchen. Wie immer ist er voll beladen mit Gepäck und fragt mich, ob ich ihn in Baden-Baden (das ist eine gute Stunde von uns entfernt) abholen kann. Natürlich mache ich das, schließlich freue ich mich riesig und wir sehen uns viel zu selten. Also plane ich unseren Sonntag entsprechend ein, damit wir zum Mittagessen alle wieder hier sind.
Am Samstag klingelt erneut mein Bruder durch, um mir mitzuteilen, dass er jetzt doch von einem Freund mitgenommen werden kann, der ihn bis zu uns nach Hause fährt. Ich frage noch nach, um wie viel Uhr er ungefähr hier sein wird, damit ich das in meiner Planung berücksichtigen kann, merke aber schon, wie gestresst er reagiert und denke mir meinen Teil ;o).
Nun gut, ich freue mich also, jetzt doch nicht den gesamten Sonntagvormittag auf der Autobahn verbringen zu müssen, frühstücke gemütlich mit meinen Mädels, spiele anschließend sogar ein bisschen mit ihnen mit und bereite gegen halb zwölf Uhr das Mittagessen vor. Fünf Minuten bevor der Ofen klingelt und das Essen fertig ist (alle haben schon großen Hunger) rufe ich noch mal schnell meinen Bruder an, doch keiner nimmt ab. Na ja, die werden wohl unterwegs sein, denke ich mir. Ich möchte gerade den Tisch decken, da kommt der Rückruf: „ja, also mein Kumpel musste schon ganz früh weg heute und ist deshalb ohne mich gefahren. Voll doof. Kannst du mich doch abholen?“

Im Reflex sage ich: „natürlich, das ist gar kein Problem“. Doch während ich diese Worte ausspreche, merke ich dass dies sehr wohl ein Problem ist. Der Lauch im Ofen ist fertig, die Kartoffeln habe ich schon abgeschüttet, von oben rufen drei Mädels, wann es endlich Essen gibt und Nr. 4 ist gerade eingeschlafen. Jetzt werden andere Stimmen in meinem Kopf laut: „ das ist ja wieder typisch! Fällt ihm das erst jetzt auf, dass sein Kumpel weg ist? Hätte er nicht früher anrufen können?…“ Während dessen plappert die Stimme aus meinem Mund allerdings fröhlich weiter: „mach dir keine Sorgen, wir sind gegen halb zwei Uhr bei dir und holen dich ab.“
Oh Gott, was habe ich denn da gesagt!!!
Ja dann, mal los. Ich rufe meine Ladies zusammen und eröffne ihnen, dass es eine Planänderung gibt, was kurz vor dem Mittagessen nicht wirklich gut ankommt. Deshalb dramatisiere ich ein bisschen und erkläre, dass ihr Onkel einfach vergessen wurde und sein Freund ohne ihn los gefahren ist. Das finden alle ganz schön gemein und ich kann sie überreden, dass wir jetzt schnell ein paar Brezeln kaufen gehen, nach Baden-Baden fahren und dann eben etwas später Mittagessen. Für meine Mädels ist dies plötzlich gar kein Problem mehr, sie ziehen sich in Windeseile an, schließlich müssen sie ihrem Onkel ja helfen.
Mir fällt ein, dass wir ja nun mindestens zweieinhalb Stunden unterwegs sind, so dass ich wenigstens noch eine Flasche Wasser, Süßigkeiten für die Stimmung und ein Mittagessen für Nr. 4 mitnehmen sollte. Das Essen im Ofen hole ich raus in der Hoffnung, dass es später auch noch schmeckt.
Und los geht es. Eine verschlafene Nr. 4, drei aufgeregte Hühner und ich steuern die erste Bäckerei an, die auf dem Weg liegt. Diese hat natürlich zu – klar – denn Sonntags schließt die Bäckerei um 11:00 Uhr. Toll. Ok, dann düsen wir doch noch kurz zum Bahnhof, das liegt leider nicht auf dem Weg und kostet Zeit, aber mit hungrigem Magen auf die Autobahn ist auch nicht von Vorteil.
So, jetzt aber. Die Planänderung ist in vollem Gange und ich stelle fest, dass die Autobahn ganz schön verstopft ist. Ach ja, heute ist auch noch der letzte Ferientag in Baden-Württemberg. Na ja, das ist dann „nur“ ein weiteres kleines Detail, das auf meiner Seite steht ;o).
Endlich, wir sehen das Ortseingangsschild und ich gebe meinem Bruder kurz Bescheid, dass wir gleich da sind. Fünf Minuten später stehen wir vor der Türe, aber außer ein paar Hotelangestellten kann ich niemanden erkennen. Also rufe ich noch mal an und sage, dass wir jetzt direkt vor der Eingangshalle stehen. Die Stimmen in mir legen wieder los: „ jetzt hat er doch genügend Zeit gehabt, sich fertig zu machen!“ Da hätte man sich den Anruf vorhin auch sparen können“… Positiv bleiben, das wird schon.
Wir warten weiter und meine Mäuse vermelden nun, dass sie mal Pipi machen müssen. Ja, genau das habe ich jetzt noch gebraucht! Mit drei verkrümelten Mädchen durch die Hotellobby düsen (wir befinden uns im teuersten Hotel der Stadt – peinlich), die Toiletten suchen und von den Angestellten beobachtet werden. Doch um überhaupt zu diesen Örtlichkeiten zu gelangen, brauche ich ja meinen Bruder, denn ich möchte nicht noch Nr. 4 in der Autoschale mitschleppen müssen. Das würde ja dann, das Bild der „chaotischen Großfamilie“ in vollem Maße unterstützen.
Eine gefühlte Ewigkeit später, kommt endlich ersehntes Objekt aus der Eingangshalle. Es gibt eine stürmische und herzliche Begrüßung mit schnellem Ende, da wir jetzt sausen müssen, um eventuelle Malheurchens zu verhindern.
Geschafft. Wir kommen entleert und nach Parfum stinkend  (Mama, guck mal, was es hier alles gibt? Diese und diese Flasche habe ich schon ausprobiert…) wieder zum Auto. Mausi Nr. 4 bekommt noch ihr Mittagessen während der Rest von meinem Bruder bespasst und mit Süßigkeiten überhäuft wird. Allein dafür, fallen sie ihm immer wieder um den Hals.

Und dann können wir endlich wieder die Heimreise antreten, mit einem Kofferraum voller Tüten und Taschen, einem etwas müden, dafür super gut gelaunten Onkel und drei plappernden Geschichtenerzählerinnen, die kein Ende finden können.
Ist doch immer wieder herrlich, so eine Planänderung…

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