Ein Walross im Krankenhaus

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(Foto von: AP Photo/North Slope Borough, Noe Texeira)

Vor ein paar Tagen, haben wir uns einen Dokumentarfilm über Tiere angesehen und unter anderem bekamen wir auch ein Walross zu Gesicht. Da musste ich doch sofort wieder an meinen ersten Kaiserschnitt denken und die gesamte Prozedur, die dazu gehörte…

Ich ging damals also, an besagtem Termin mit meinem Täschchen, pünktlich morgens um sieben Uhr in die Klinik und war recht aufgeregt, da ich diese Art der Geburt noch nicht kannte. Mein Mann und ich wurden in ein Zimmer geführt und mir wurde mitgeteilt, dass ich ein schickes OP-Hemd anziehen darf, noch mal an das CTG angeschlossen werde und in ca. eineinhalb Stunden wären die Ärzte startklar. Außerdem würde ich noch an den Tropf gehängt, da ich ja seit dem Vorabend nichts mehr gegessen hatte. Nun gut, ich zog mich also um (was schon ziemlich unangenehm war, da ja an so einem OP-Hemdchen hinten alles offen ist und man sich am Ende seiner Schwangerschaft ohnehin so unglaublich attraktiv fühlt…) und legte mich ins Bett, um die Nadel für den Tropf gelegt zu bekommen und das CTG anzuschließen. Danach hieß es erst mal warten, warten, warten, doch dank der vielen Hebammenschülerinnen in so einer Uniklinik, kam immer mal wieder jemand vorbei spaziert und stellte mir unnötig wichtige Fragen.
Währenddessen sausten mir tausend eigene Fragen durch den Kopf… Wie lange würde es wohl dauern, bis ich unser Töchterchen sehen könnte? Werde ich etwas spüren? Wie vertrage ich die Spinalanästhesie? Wird mich ein Arzt oder eine Ärztin operieren? Was, wenn es zu Komplikationen kommt? Wie sieht der OP-Raum aus? Und, und, und…

Dann war es endlich soweit, zwei Schwestern kamen herein, schoben mein Bett aus dem Zimmer, hinein in den Fahrstuhl und es ging nach unten in den Operationsbereich. Kurz vor dem OP-Raum wurde mein Mann durch einen anderen Eingang geschickt, da er sich noch in komplette OP-Kleidung schmeißen musste, um anschließend in krankenhausgrün wieder aufzutauchen. Ich selbst wurde in dieser Zeit in den Vorbereitungsraum geschoben, doch was dann kam, war für mich der absolute Knaller ;o).
In besagtem Vorbereitungsraum waren bereits zwei nette junge Männer, die auf mich warteten, denn ich sollte nun von meinem Bett über ein FLIESSBAND auf den OP-Tisch gefahren werden. Was??? Wie bitte??? An welcher Stelle der Vorbereitungsgespräche hatte ich nicht aufgepasst? Ich konnte mich gar nicht erinnern, dass ich über einen solch entwürdigenden Prozess informiert worden war. Also ich meine, so ein offenes OP-Hemd (das auch recht kurz ist, wohlgemerkt), zwei nette junge Kerle, ein Fließband, mein Bauch und ich??? Dagegen war ja selbst meine erste Geburt stilvoll!
In meinen Gedanken, schrieb ich schon Beschwerdebriefe an die Klinikleitung und verfluchte jeden, der sich im Raum befand.
Aber es half alles nichts. Und obwohl ich den Herren mehrfach erklärte, dass ich durchaus noch in der Lage war, selbständig auf den OP-Tisch zu klettern, bestanden sie darauf, mich auf das Band zu hieven und auf der anderen Seite wieder abzuholen. Als ich dann also „angehoben“ wurde und die zwei Kerle mich auf dieses Band legten, da kam ich mir vor wie ein gestrandetes Walross: unbeholfen, scheinbar nicht in der Lage sich selbst zu bewegen und unglaublich übergewichtig (obwohl ich das eigentlich gar nicht war ;o)).
Ich schickte zigtausend Stoßgebete zum Himmel, dass ich diesen beiden netten, jungen Herren NIEMALS mehr in meinem Leben über den Weg laufen würde. NIEMALS!

Nachdem ich also diese Prozedur überstanden hatte, kam mir alles andere wie ein Spaziergang vor. Jetzt war mir auch egal, ob meine Oberschenkel rechts und links von dem äußerst schmal geschnittenen OP-Tisch runterhingen oder nicht.
Der OP-Raum war doch tatsächlich auch noch weiß gekachelt und ich kam mir vor wie beim Metzger in der Schlachterei. Na ja, aber irgendwie auch wieder passend, so im Nachhinein betrachtet.
Ich bekam die Spinale gelegt, ein paar Minuten später wurde mir richtig schön warm, ein Tuch wurde zwischen mir, den tausend Geräten und den Ärztinnen hoch gezogen und mein Mann und ich konnten erst mal nichts mehr sehen…

Glücklicherweise hatten wir einen richtig netten Anästhesisten, der wie ein Radiosprecher jeden weiteren Schritt, den die Ärzte unternahmen, kommentierte.
Nur zehn Minuten später ruckelte es ordentlich in meinem Bauch (fühlt sich an, wie wenn man einen Weisheitszahn gezogen bekommt) und ich hörte das zarte Geschrei meines zweiten Töchterchens. Alles war vergessen, unzählige Gefühle des Glücks durchströmten mich und meinen Mann und wir sahen in ein zuckersüßes Gesicht. Dafür lässt man sich doch wiederum gerne wie ein Walross übers Fließband fahren…

Und nur 20 Minuten später kam ich zurück in den Kreissaal, wo mein Mann mit unserer süßen Maus schon wartete. Ich zog alle Beschwerdebriefe und Flüche in meinem Kopf zurück und genoss diese wunderschönen Stunden mit Baby Nr. 2…

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