Nr. 3 & ich

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Gestern gab es doch tatsächlich einen Nachmittag, da waren Nr. 3 und ich ganz alleine unterwegs. Die zwei Großen waren zu einem Kindergeburtstag eingeladen und Nr. 4 schlummerte selig neben Papa. Damit dies auch so blieb, schnappte ich mir kurzerhand meine Dreijährige und ging mit ihr ein Eis essen. Natürlich musste der Puppenbuggy mit, ansonsten ist das etwas langweilig, nur so mit Mama zu laufen. 
Als wir dann auf dem Bänkchen vor der Eisdiele saßen und genüsslich unser Eis schleckten, fiel mir auf, dass es schon eine Ewigkeit her war, dass ich mit Nr. 3 mal etwas ganz alleine gemacht hatte. Oh Gott, was für eine Erkenntnis! Meine kleine Mausi ist wirklich so gut wie nie mit mir alleine… Natürlich gibt es Momente am Tag, an denen nur wir beide uns in einem Raum befinden, aber dass wir mal zwei Stunden nur für uns haben, das gibt es wirklich selten, vielleicht zu selten, ich weiß es nicht. Allerdings ist das in einer Großfamilie auch nicht so einfach mit der „Qualitätszeit“ zwischen den einzelnen Mäusen und uns Eltern… Ich könnte jetzt auf der Stelle anfangen, meine Familiensituation zu analysieren, wer, wann, wie, wo zu kurz kommt… Aber das lasse ich lieber, denn irgendwie stellt so eine Analyse alles auf den Kopf und am Ende habe ich ein ganz schlechtes Gewissen und grübele und grübele…  ;o).
Wie dem auch sei, haben wir einen wunderschönen Spaziergang gemacht und uns richtig gut und lustig unterhalten – wie das eben mit einer Dreijährigen so möglich ist. Das war für mich etwas ganz Besonderes, denn an dieser Stelle sollte ich wohl kurz erwähnen, dass ich fest davon überzeugt bin, dass Nr. 3 mir „in den Bauch geschickt“ wurde, um mein persönliches Stresslevel bis ans äußerte Limit zu testen!!! Keine Ahnung, warum bei ihr alles anders ist, aber egal was ich sage und wie ich es sage… es kommt bei ihr einfach nicht an. Beziehungsweise, selbst wenn es ankommt, scheint es keinerlei Auswirkungen zu haben. Ich bin selbst immer wieder überrascht, denn schließlich habe ich ja schon zwei Mäuse recht passabel mit unseren Werten, Regeln und Einstellungen vertraut gemacht, aber meine dritte Madame, scheint eine Art „undurchdringbares Schutzschild“ zu besitzen. Sie kennt zwar sämtliche Abläufe, Tagesstrukturen und Regeln, es ist ihr aber in 99% der Fälle egal, einfach egal. Und der verbleibende 1% -Punkt, ist auch nur interessant, wenn Schätzchen etwas Süßes haben möchte. Sie kündigt dann schon vorher an, dass sie jetzt ganz lieb ist ;o) und innerhalb von einer Sekunde, soll ich ihr dann die gewünschte Süßigkeit liefern… „zack zack, Mami“.
Schon oft habe ich mich gefragt, was ich bei ihr anders gemacht habe, warum ein „nein“ bei ihr im Kopf gar nicht erst ankommt, wieso die Regel „wir essen am Tisch“ nach drei Jahren immer noch nicht verständlich ist??? War ich zu nachlässig? War ich nicht konsequent genug?? Kommen meine Worte nicht bei ihr an, weil sie mich immer wieder so herrlich zum Lachen bringt? Oder weil sie mich mit ihrer herzlichen und unbeschwerten Art, stets zurück in ihren Bann zieht? Andererseits ist Mausi seit ihrer Geburt sehr willensstark, hat viel mehr und lauter gebrüllt, als die zwei Großen. Und klar, sie hat schon zwei ältere Schwestern, da muss sie sich auch behaupten können. Oder sind Nr. 1 und 2 so viel ruhiger und einfacher und Nr. 3 ist so süß und anstrengend zugleich wie alle anderen Kinder auch? Oder liegt es am Alter?
 Oder….
Ach her je, ich weiß es auch nicht. Ich stelle mir immer wieder diese Fragen, doch komme ich nicht wirklich zu einem Ergebnis. Nach vier Kindern bin ich mittlerweile eher der Überzeugung, dass ein Großteil des Charakters (so 95% :o)) schon mit der Geburt mitgeliefert wird und wir, als Eltern, haben lediglich die Chance, diese wunderbaren Individuen zu begleiten und ihnen unsere Werte und Lebenseinstellung näher zu bringen. Deshalb gefällt mir auch die Idee, dass Nr. 3 meine persönlich größte Herausforderung des Lebens ist, deutlich besser als all diese Fragen nach Konsequenz und so…  und meine Grübeleien werden dadurch auch ein bißchen leiser.

So gesehen, war unser zweisames Event wie Balsam auf meiner Seele und ich bin dankbar, dass ich solch einen lustigen und RUHIGEN Nachmittag mit meiner dritten Tochter genießen konnte. Qualitätszeit ist doch was Feines…

 

 

 

2 Gedanken zu „Nr. 3 & ich

  1. Hi Bine, die Erkenntnis dass 95% Charakter direkt mit der Geburt geliefert werden kann ich nur bestätigen. …. zu Nummer drei bin ich dank sehr willensstarken Nummer eins und zwei nie gekommen. Wir hatten von Anfang an feste Regeln und Vorstellungen und sind auch durchaus konsequent. …
    Leider haben weder Nummer eins als auch Nummer zwei die Muse uns ein wenig zu folgen….
    Mittlerweile haben wir eingesehen uns daran zu erfreuen, wenn sie wenigstens anderen Menschen gegenüber höflich waren.

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    • Liebe Sonja,
      es tut so gut zu wissen, dass man nicht alleine ist. 👍😄
      Jedesmal, wenn ich wieder denke „das gibt es doch gar nicht“, dann lese ich mir deine Worte durch, schmunzel kurz und es geht mir ein bißchen besser. Danke dir.

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