Baden, Hitzewallungen und Kältewellen

Für mich gibt es eigentlich nur eine Variante von BADEN, nämlich zack ausziehen, zack in die Wanne steigen, zack nass machen beziehungsweise kurz in der Wanne verweilen, zack einseifen, zack wieder abbrausen, zack fertig.

Für meine Kinder gibt es allerdings zigtausend Varianten:
langes Baden, kurzes Baden, Baden mit Haare waschen, Baden ohne Haare waschen, Baden mit Prinzessinenschaum, Baden mit Piratenschaum, Baden mit Knisterperlen, Baden mit Badefarben, Baden mit Puppen, Baden mit Gieskännchen, Baden mit Barbies, Baden mit allen zusammen (vor allem Nr. 4 ist sehr beliebt) oder eben duschen… Und natürlich mit gaaaaaanz viel Zeit!
Duschen ist übrigens recht neu im Programm und wird auch nur von Nr. 1 und Nr. 2 praktiziert, sehr zum Ärger von Nr. 3 natürlich.
Nun denn, heute Abend war ich alleine und durfte alle vier baden…

mir war schon klar, dass es anstrengend werden würde, war mir klar und recht zügig musste es auch gehen, denn es war schon viertel nach sieben. Also hatte ich mir überlegt, strategisch vor zu gehen. Nr. 3 war ohnehin schon müde, von daher wollte ich mit ihr angefangen. Und zwar mit der Variante „schnelles baden“ – das heißt bei mir wie gesagt, einfach nur kurz nass machen, Haare waschen und Körper einseifen, alles wieder abbrausen und FERITG. Allerdings hatte es schon eine Ewigkeit gedauert, bis Nr. 3 sich überhaupt ausgezogen hatte und im Bad ankam. Als sie dann endlich in der Wanne saß, ging leider alles schief. Die Temperatur aus dem Duschkopf war viel zu heiß, nein zu kalt, nein zu heiß…, dann kam Schaum in die Augen, dann Wasser, dann war alles wieder zu kalt und dann war einfach alles nur noch dooooooooooooooooooooof!!!. Ok, der Plan war schon mal mächtig in die Hose gegangen, da konnte es ja eigentlich nur noch besser werden.
Während ich also ein schreiendes Wesen versuchte ab zu trocknen und ein zu cremen, entschloss sich Nr. 2 unter die Dusche zu gehen. Unterdessen erledigte Nr.1 noch ihre Mathe Hausaufgaben und Nr. 4 robbte durch das ohnehin recht überfüllte Badezimmer.
Nr. 3 war nun im Ausnahmezustand und ihr war nur noch kalt, wo hingegen ich persönlich eher das Gefühl hatte, in den Wechseljahren gelandet zu sein, vor lauter Hitzewallungen.
Nun denn, ich hatte es fast geschafft, es fehlte nur noch Zähne putzen und Haare föhnen. Nr. 2 hatte sich derweil entschieden, super ausführlich zu duschen! Das passte natürlich prächtig zu meinem Timing, es war mittlerweile schon viertel vor acht und generell liegen die Damen, um diese Zeit schon im Bett!, während ich die ersten ruhigen Minuten des Tages genießen kann.
Ich sagte mir ständig: ruhig bleiben, durchhalten, ruhig bleiben, durchhalten. Doch Nr. 3 wollte es wissen, denn sie kennt mich und weiß, wie sehr sie mich nerven kann mit ihrem Geschrei. Nr. 2 grölte jetzt einfach irgend etwas mit, denn sie fand, das würde die Stimmung heben. Das sah ich leider nicht so. Doch diesmal wollte ich nicht laut werden, ich wollte nicht laut werden, nicht laut werden. Ich habe mir so fest auf die Zähne gebissen, dass es besser gewesen wäre, wenn ich meine Schiene (die ich nachts tragen darf…) angehabt hätte, damit mein Zahnarzt nicht wieder schimpft. Und fast hätte ich es geschafft, fast, wenn Nr. 3 nicht plötzlich noch angefangen hätte, wild um sich zu fuchteln, da sie das Fönen nicht leiden konnte. Also holte ich doch meinen lauten und energischen Ton raus und sagte ihr, dass es jetzt reicht! Wirklich reicht! Schluß jetzt!!! Sie guckte mich kurz an (zwei Sekunden Ruhe, wow!) und machte dann einfach da weiter, wo sie aufgehört hatte, irgendwie noch lauter als vorher, zumindest hörte es sich so an. Na toll, das hatte ja super funktioniert. Am meisten ärgerte ich mich aber über mich selbst. Schließlich wollte ich doch ruhig und gefasst bleiben. Allerdings gab es die Situation jetzt auch nicht her, dass ich alles reflektierte und mir Gedanken machte, an welcher Stelle ich hätte intervenieren können und so und welche pädagogische Maßnahme hier angebracht gewesen wäre. Wie gut, dass ich Diplom-Pädagogin bin, das kommt mir ja richtig zu Gute…. Ich schöpfe sozusagen aus den Vollen.
Nun ja, ich entschied mich jetzt Nr. 3 erst mal in den Arm zu nehmen (auch wenn viele Stimmen in mir das anders sahen), damit sie ein bißchen beruhigen konnte, während Nr. 2 jetzt wenigstens mal eingeschäumt war und fröhlich ihre Liedchen sang.
Nachdem ich Nr. 3 gesagt hatte, dass ich sie lieb habe und dass es mir auch keinen Spass gemacht hatte, sie unter diesen Umständen zu baden, dass es aber eben ab und zu sein muss, weil es mir besser gefällt, wenn ihre Haare duften und so, waren wir uns einig, dass sie schon mal ins Bettchen geht und dort unter der kuscheligen Decke wartet (fieser Trick, ich weiß), bis wir auch gleich nachkommen würden. Gesagt, getan. Erste Baustelle irgendwie überstanden.
Nr. 1 war jetzt auch endlich fertig mit all ihren Aufgaben und fing an sich langsam – wirklich langsam – für die Dusche vorzubereiten (sie mag baden ja nicht mehr so…). Derweil versuchte ich die Schaumparty auf dem Kopf von Nr. 2 wieder zu entfernen und stellte fest, dass Nr. 4 allmählich anfing zu nölen, schließlich wurde sie jetzt auch müde.
Ok, ok, ok, ich musste jetzt schneller, effektiver oder irgend etwas werden, denn Nr. 2 war jetzt auch unglaublich kalt (in der Zwischenzeit hatte Nr. 1 den Duschplatz eingenommen) und sie hatte keine Lust mehr auf eincremen und das ganze Gedönse. Glücklicherweise ist in solchen Situationen Verlass auf Nr. 1 – allein dafür liebe ich sie so – denn, sie verwickelte ihre Schwester einfach in tiefgreifende Gespräche und alle Beteiligten beruhigten sich wieder.
Irgendwie stand auch Nr. 2 irgendwann im Schlafanzug und mit geputzten Zähnen fertig vor mir, so dass ich mich nun der Blitz-Badeversion für Nr. 4 widmen konnte, denn die Zeit sauste davon.
Bald geschafft, bald geschafft…  Nr. 1 gab sich nun richtig Mühe und war für ihre Verhältnisse wirklich schnell fertig. Und unsere kleinste Mausi blühte noch mal richtig auf, als sie so nackig in der saunaartigen Nasszelle (die nur noch in groben Zügen an unser Badezimmer erinnerte) auf ihrer Wickelkommode lag und von mir eingecremt wurde.

Endlich waren wir beim Haare föhnen meiner Ältesten angekommen und Nr. 2 versuchte Nr. 4 (mittlerweile auch im Schlafanzug) bei Laune zu halten.  Jetzt war es bereits zwanzig nach acht. Mist, schon eine halbe Stunde weniger „Elternzeit“ für mich…
Als wir dann ääääändlich im Kinderzimmer ankamen, um ins Bettchen zu gehen, schlummerte Nr. 3 schon selig vor sich hin und wir kuschelten uns nun zusammen, damit ich noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen konnte. Lust hatte ich ja keine mehr, aber ich weiß, wie wichtig dies für meine Mäuse ist, insbesondere wenn der Abend recht laut war. Dann noch ein Liedchen trällern und meine heiß ersehnte „Elternzeit“ konnte starten… äh nein, noch nicht ganz, das Chaos im Bad musste noch beseitigt werden und Lüften war auch notwendig, mehr als notwendig sogar.

Und dann war es geschafft!
Juchhu, jetzt habe ich erst mal drei Tage Pause bis es wieder heißt: „Mädels, heute wird gebaaaaadet“…

Ein Gedanke zu „Baden, Hitzewallungen und Kältewellen

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