Irgendwas ist immer…

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Weihnachten, 1. Weihnachtsfeiertag: ich sitze morgens in der Kinderklinik mit Nr. 4, da ihr Husten immer schlimmer geworden ist und sie nun leider auch Fieber dazu bekommen hat… Timing, denn in ein paar Stunden kommt meine liebe Verwandtschaft (Tanten, Onkel, Cousin und Cousinen und deren Kinder) zu unserem alljährlichen Weihnachtsreffen zu uns nach Hause. Das ist immer lustig und eine der wenigen Gelegenheiten, an denen wir alle zusammen treffen und leckere Köstlichkeiten verspeisen. Glücklicherweise bringt jeder etwas mit, so dass es eigentlich nicht all zu viel vorzubereiten gibt, allerdings wollte ich zwei Kuchen backen und die Kürbissuppe zubereiten und diese Planung gerät nun doch etwas ins Wanken….

Eigentlich hat Mausi ja seit fast fünf Wochen immer mal wieder Husten und ich war bestimmt einmal die Woche bei meiner lieben Kinderärztin, welche die Kleine stets abgehört hat, doch der Verlauf ist hartnäckig und es sind so viele Kinder davon betroffen. Die Sache mit der Eingewöhnung und der Kita läuft dementsprechend nur schleppend, denn kaum bringe ich Nr. 4 wieder hin, kann sie drei Tage später erneut zu Hause bleiben, da es dann wieder von vorne los geht mit dieser doofen Erkältung. Also weiter machen mit Inhalieren und Balsam…
Drei Tage vor Ferienbeginn fasse ich einen Entschluss und teile der Kita-Leiterin mit, dass ich meine Kleine bis nach den Ferien zu Hause lasse, damit sie sich mal richtig erholen kann und wir wieder ein paar Nächte schlafen können. Das trifft zwar nicht gerade auf große Begeisterung, da wir immer noch nicht über zwei Stunden Betreuung hinaus gekommen sind, aber sie kann es verstehen und wir wünschen uns gegenseitig schöne Ferien. Vielleicht habe ich so wenigstens die Chance, dass es meiner Süßen bis Weihnachten besser geht und wir unbeschwert feiern können. Der Plan ist gar nicht schlecht, die Umsetzung verläuft leider ganz anders…

Denn zwei Tage vor Weihnachten bekommt Mausi dann auch noch Fieber, das stetig steigt und einen weiteren Tag später, läuft schöne gelbe Flüssigkeit aus dem Auge. Na toll, mir schwant schon die Diagnose: Bindehautentzündung! Und die ist ja bekanntlich hoch ansteckend. „Oh du fröhliche“ saust es mir durch den Kopf, doch ich will optimistisch bleiben und streiche das Bild mit „vier Bindehautentzündeten-Kindern unterm Baum“ schnell aus meinem Kopf! Stattdessen düse ich mal wieder zum Arzt, allerdings ist nur noch die Vertretung im Haus, egal.
Und ja tatsächlich, meine Befürchtungen werden bestätigt und wir bekommen die antibiotischen Augentropfen verschrieben. Ich erwähne auch noch mal den Husten und bitte darum, noch mal die Lungen abzuhören. Außerdem erkläre ich auch, dass die üblichen Medikamente nicht helfen (Inhalieren, Mucosolvan, Thymian-Myrre-Balsam), und dass mir das ein bisschen komisch vorkommt. Ok, wird alles untersucht und ja, da ist ein sehr leichtes Pfeifen, so dass ich mal den Mucosolvan Spasmo nehmen soll, da dieser die Atemwege noch zusätzlich öffnet. Whatever, ich nehme alle Rezepte mit, packe mein elend aussehendes Hascherl wieder ein und schnappe meine Mädelsbande im Wartezimmer (es sind ja schon FERIEN :)) damit wir gleich in die nächste Apotheke flitzen können. Außerdem erteile ich absolutes „Anfassbverbot“ für die jüngste Schwester, damit wir morgen – am Heiligen Abend – nicht alle diese Tropfen nehmen müssen – denn Augentropfen empfinden alle meine Damen als Höchststrafe unter der Medikamentenverabreichung.

So, dann kann das Fest ja kommen! Gott sei dank reisen Oma und Opa an diesem Nachmittag an und in der Regel wird dann schlagartig vieles besser :). Denn plötzlich ist immer jemand für die Kinder zum Spielen da, ein anderer hat Zeit zum kochen, der nächste macht die Küche und irgendwie ist alles im Fluss, einfach schön.

Und so haben wir auch tatsächlich einen wunderschönen Weihnachtsabend, mit viel Gesang, Spaß und kulinarischen Highlights. Nur meine kleine Mausi macht mir große Sorgen. Meine Intuition sagt mir, dass etwas nicht stimmt, die Medikamente schlagen gar nicht richtig an und ihr Zustand gefällt mir überhaupt nicht. Und so wird die Nacht (welche Nacht eigentlich?) zu einer großen Herausforderung und ich sitze mehr, als dass ich liege und beschließe morgens in die Klinik zu fahren. Diesmal werde ich mich aber nicht mit einem Säftchen abgeben, sondern Mausi soll von oben bis unten untersucht werden, von Keuchhusten über Pseudokrupp bis Lungenentzündung. Ich habe natürlich alles schon gegoogelt und mir ein Bild gemacht, damit ich entsprechend auftreten kann. Denn wenn es meinen Kindern so schlecht geht, leide ich mit und fühle mich selbst gar nicht gut. Das hilft zugegebener Maßen überhaupt nicht weiter, aber es ist einfach so.

Und da sitze ich nun… und warte und warte und warte. Wie das eben so ist an einem Feiertag. Ich gehe im Kopf immer wieder meine Sätze durch, die ich dem behandelnden Arzt mitteilen möchte, damit ich auch nichts vergesse. Zeitgleich sausen mir die Vorbereitungen und Abläufe für den heutigen Nachmittag durch den Kopf und ich bin unendlich froh, dass meine Mami da ist, sich in meiner Abwesenheit um die drei „Großen“ kümmert und Opa vielleicht schon mal die Kürbisse zerkleinert und die Suppe vorbereitet.

Endlich, der Arzt kommt rein und huch – das lange Warten hat sich gelohnt. Wow. Wenigstens ein Highlight, denke ich kurz ;).  Aber zurück zur Sache. Ich schildere dem äußerst charismatischen Mann mein Anliegen, und dass ich am Ende mit meinem Latein bin. In der Regel schlagen nach ein bis zwei Tagen die Medikamente bei meinen Kindern gut an, doch diesmal ist alles anders. Meine Süße wird wieder untersucht und lässt alles brav( (naja, wie man es nimmt) über sich ergehen. Schon nach einer Minute steht fest: Mausi hat eine Lungenentzündung! Aha. Oh Gott. Ach meine arme Kleine! Oh nein, wie schrecklich. Uff, das hatten wir noch nie, das ist neu. Gut, nein schlecht, aber wenigstens eine Diagnose, die meinem Bauchgefühl entspricht.
Ich sammle mich wieder. Was kann ich tun? Ich bekomme genaue Anweisungen, wann ich welches Medikament zu verabreichen habe und wie ich wann inhalieren soll. Wenn ich das alles genauso mache, kann ich Nr. 4 wieder mit nach Hause nehmen und muss nicht im Krankenhaus bleiben. Klar, das schaffe ich. Doch hoffentlich kann ich mir das alles merken! Ah, der Arzt scheint Gedanken lesen zu können und schreibt mir alles noch mal auf! Das hilft. Wirklich kompetenter Mann.
Gut, dann also nix wie los zur Notfallapotheke und Medikamente besorgen, damit ich direkt loslegen kann mit der Verabreichung und wir endlich wieder ein bisschen Land in Sicht sehen.

Außerdem läuft mir die Zeit davon, zumal ich jetzt hin und her gerissen bin, ob ich den Nachmittag mit meinen Lieben besser absagen sollte oder nicht. Andererseits sehen wir uns nur so selten alle zusammen und einer von uns kann ja mit Mausi immer rausgehen. Zumal ich wirklich eine süße, tolle Familie und Verwandtschaft habe, so dass ich stets auf deren Unterstützung setzen kann. Also Augen zu und durch.

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Mittlerweile stehe ich in der Apotheke und erfahre, dass es eines der Medikamente zum Inhalieren nicht vorrätig gibt und es wahrscheinlich sehr schwer sein wird, dies an den Freitagen zu bekommen. Aha, ja, danke für die Info, das passt zu meinem Tag :).
Gut, zu Hause angekommen, bekommt mein Engelchen erst mal das Antibiotikum und ich versuche in Windeseile alle Notfallapotheken in der gesamten Umgebung abzutelefonieren. Gleichzeitig knete ich den Mürbeteig für den Apfelkuchen und schmeiße den Ofen an. Tatsächlich: das Medikament muss bestellt werden und das geht erst wieder nach den Feiertagen. Also wieder Rücksprache mit dem Arzt im Klinikum halten. Entwarnung, es reicht auch, wenn ich damit etwas später starte. All right.
Mittlerweile sind die Äpfel auch geschält, auf die Stunde „Teig kühlen“ im Kühlschrank verzichte ich und der Kuchen kann ab in den Ofen. Oh je, schon Zeit zum Mittagessen für die Großen! Improvisieren! Schnell ein paar Knödel vom Weihnachtsabend anbraten und mit der köstlichen Orangensauce übergießen, dass sollte bis zum Plätzchen-Kuchen-Kaffe-Gelage reichen. Opa scheint meine Stoßgebete gehört zu haben und hat wirklich die Suppe schon vorbereitet. Was für ein Geschenk!
Und die liebe Omi hat meine Zuckerschnecken in tolle Kleidchen gesteckt, bespasst und für beste Stimmung gesorgt. Unbezahlbar! Während sie sich nun um Nr. 4 kümmert und liebevoll versucht sie in den Schlaf zu wiegen, schmeiße ich noch schnell alle Zutaten für den Mandelgugelhupf zusammen und meine Küchenmaschine rührt einen lecker schmeckenden Teig fertig. Bravo, kann dann direkt nach dem Apfelkuchen in den Ofen.

Dann wieder ab zum Inhalieren mit Mausi, kurz kuscheln, Tisch decken, Getränke im Kühlschrank vorbereiten, die Kaffe Maschine vorbereiten, die Kuchen auf Tortenplatten, die Plätzchen auf Etageren, Servietten auf die Teller und ach Gott, wie sehe ich überhaupt aus??? Ab zum Kleiderschrank, ein Festtags-Outfit anziehen und dann…. tonnenweise Concealer unter die Augen, einen knallroten Lippenstift auflegen und tada: mir guckt ein nettes Spiegelbild entgegen. An dieser Stelle muss ich meinem Concealer ja mal ein gaaaaaaanz dickes Dankeschön aussprechen, für die tatkräftige Unterstützung auch mit nur zwei Stunden Schlaf am Stück, noch recht passabel auszusehen. Danke!

Es klingelt. Alle springen zur Tür, der Flur ist schon voll, obwohl noch kein Mensch eingetreten ist, große Freude, lautes Hallo, mein Mann ist auch endlich da, jetzt wird alles gut. Selbst mein kleines Hascherl sieht schon ein ganz kleines bisschen besser aus und bleibt für den Rest des Tages auf Mamis oder Papis Arm :).

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Und am späteren Nachmittag – zwischen Kuchen und Suppe – als wir alle beisammen sitzen und trotz einiger unvorhergesehener Ereignisse (denn Omas und Opas haben ja meistens auch ein ganz nettes Repertoire an Krankheiten) zueinander gefunden haben, spüre ich den Moment des Glücks in mir :). Und irgendetwas ist ja immer…

2 Gedanken zu „Irgendwas ist immer…

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