Ein ganz „normaler“ Sonntag im Hause Rath – aber was ist schon NORMAL?

Sonntag, fünf Uhr morgens: Nr. 4 hechelt in ihrem Bettchen neben mir, vor sich hin und möchte ihre Milch haben.. Schlafwandlerisch bereite ich ihr diese zu und wandere zurück ins Bett. Im Halbschlaf süffelt Mausi die Flasche aus und ich hoffe, dass sie gleich wieder einschläft. Natrürlich nicht. Während ich mich schlafen stelle, klatscht und babbelt sie vor sich hin und erst eine gefühlte Stunde später ist ihr wohl doch langweilig und sie schlummert wieder ein. Plötzlich höre ich Stimmen aus dem Kinderzimmer. Diese werden immer lauter. Wie viel Uhr ist es denn jetzt? Sieben, ERST! Sonst schlafen meine Hübschen doch auch eine Stunde länger… Uff, na ja, ok, dann schleiche ich mich eben aus dem Schlafzimmer, damit Nr. 4 noch ein bisschen schlummern kann und gehe mal den Rest der Mannschaft begrüßen. Doch kaum habe ich es bis in den Flur geschafft, höre ich meine Jüngste schon meckern. Also kehre ich wieder um, nehme die kleine Madame aus dem Bett und gehe mit ihr zusammen runter. Zu meiner Überraschung befinden sich bereits alle im Wohnzimmer und das Frühstück ist auch schon fertig. Ui, das ist schön. In dieser Hinsicht haben wir großes Glück, dass Papa (berufsbedingt) erst früh morgens nach Hause kommt, denn dadurch gibt es häufig frische Brötchen & Croissants. Lecker. Die Stimmung ist super – noch. Denn das wird sich im Verlauf des Tages wellenartig ändern. Hoch und RUNTER, HOCH und runter 🙂 . Papa geht dann mal nach dem Frühstück schlafen, die Mädels tanzen durch das Wohnzimmer und ich räume schnell auf und sauge noch kurz durch. Ich muss die Uhr im Blick behalten, denn heute möchte ich ein Gulasch zum Mittagessen machen und das muss ja bekanntlich ein bisschen vor sich hin schmoren. Spätestens um 09:30 Uhr sollte ich damit also anfangen. Etwas früher wäre natürlich besser. Ok, dann mal ab ins Badezimmer mit den Damen und anschließend die leidige Kleiderfrage klären. Ich habe Glück, Nr. 1 entscheidet sich heute richtig flott, Nr. 2 hat letzte Woche ein neues Kleidchen bekommen, das sie gerne anziehen möchte und Nr. 3 entscheidet sich für eine schmale Jogginghose mit Longsleeve. Super, das haben wir doch ganz gut hin bekommen. Ich selbst bin immer noch im Schlafanzug, was mich etwas stört, denn mir ist aufgefallen, wenn ICH nicht fertig bin, dann läuft es nicht ganz so rund, vor allem aber kann ich nicht einfach schnell alle einpacken und spazieren gehen, falls die Stimmung kippt. Aber gut, so ist es jetzt eben.

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Nr. 4 wird langsam wieder müde – das wäre eine gute Gelegenheit selbst schnell ins Bad zu düsen. Oder soll ich doch lieber schon mal das Fleisch anbraten? Zuvor aber braucht das Mäuselein noch eine Milch und ich muss schnell mal in den Keller, um die Waschmaschine anzuschmeißen. Doch was ist das?

Erste Eskalation! Nr. 1 schreit laut in ihrem Zimmer rum. Mist, das Timing ist äußerst ungünstig. Ich rase aus dem Keller wieder hoch, während Nr. 4 in ihrem Kinderwagen liegt und auf ihr Fläschchen wartet. Oh nein!!! Nr. 3 hat die Kinderzimmertüre voll mit Kuli geschmiert, zumindest den gesamten unteren Teil – was einzig und alleine daran liegt, dass sie erst einen Meter groß ist 🙂 . Leider nicht das erste Mal, dass Madame denkt, sie könnte auch auf Wände und Türen kritzeln. Also Auszeit! Denn sie hat auch noch Nr. 2 gebissen, welche die besagte Sudelei beseitigen wollte. Das geht ja gar nicht. Ich stecke also Nr. 3 in ihr Gitterbettchen, stelle ihre Eieruhr auf 2 Minuten und erkläre ihr noch mal, dass wir ausschließlich auf PAPIER malen. PAPIER, ok? Nr. 3 hat allerdings auf Durchzug geschaltet und versucht mit allen Mitteln aus ihrem Bettchen zu kommen. Nur kurz zur Info: bei Nr. 1 und 2 habe ich NIE eine Auszeit benötigt, irgendwie haben die zwei mich besser verstanden oder warum auch immer… Und sind wir ehrlich, bei Nr. 3 kommt eine Auszeit genauso gut an, wie alle anderen Maßnahmen – nämlich gar nicht 😉 . Aber ich brauche kurz Zeit, um endlich die Milch für meine Jüngste fertig zu machen, damit diese schlafen kann und ich mal ins Badezimmer komme. Mist, das läuft mir alles viel zu durcheinander! Wo ist meine geliebte Struktur? Nun denn, meine Kleinste hat nun ihre Milch im Bäuchlein und kann sogar unter dem Getöse von Nr. 3 einschlafen. Puh, wenigstens das wäre geschafft. Ein kurzer Blick auf die Uhr: 09:15 Uhr, ach her je, schon. Ok, Planänderung: Nr. 3 zur Ruhe bringen, das Gulasch ansetzen, hoffen, dass Nr. 4 etwas länger schläft, damit ich noch schnell duschen kann. So machen wir es! Die Eieruhr klingelt – ach ja die Auszeit ist vorbei. Ich düse wieder hoch und sehe wie Nr. 3 wutentbrannt versucht aus ihrem Bett zu kommen. Ich hole sie raus, erkläre ihr noch mal kurz die Spielregeln des Hauses, nehme sie in den Arm (was mir echt schwerfällt) und frage, ob sie mit kommen möchte in die Küche. „NEIN! Du hast meine ganze Welt kaputt gemacht! Das ist deine Antwortung“. Hä??? Ich erkläre ihr noch mal, dass sie diejenige war, die zugebissen und die Tür voll gekritzelt hat und somit war es ihre VERantwortung sich eine Auszeit einzuhandeln. Sie will wieder los legen, aber so eine Diskussion mit einer Dreijährigen ist nicht gerade zielführend, deshalb entscheide ich mich FÜR die Zubereitung des Mittagessens und GEGEN die Auseinandersetzung mit meiner Tochter. Werde ich das bereuen? Ja, bestimmt, aber da sind ja noch mehr Kinder und die werden irgendwann Hunger haben… Endlich, das Gulasch köchelt vor sich hin und mein Puls fährt langsam wieder runter. 10:00 Uhr. Es geht voran. Oh, ich bin immer noch im Schlafanzug… Man kann eben nicht alles haben. Von oben ruft es mir entgegen, dass wir jetzt die Anprobe für die Faschingskostüme machen sollten. WIE BITTE? Oh nein! Stimmt, das hatte ich ja selbst einen Tag vorher vorgeschlagen. Damit wir dieses Jahr nicht wieder kurz vor Fasching dumm aus der Verkleidungsbox gucken. Wenn wir es heute machen, haben wir noch genügend Zeit für Inspirationen und Einkäufe, falls nötig.

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Ok, dann eben ab in den Keller, statt unter die Dusche. Nr. 4 schläft noch, das ist also eine gute Gelegenheit. Ich schleppe die schwere Tüte mit unseren Verkleidungsschätzen ins Kinderzimmer und alle drapieren sich vor mir. Ich verteile die Kostüme auf dem Boden und höre schon wilde Ideen. Auf Prinzessin hat dieses Jahr schon mal keiner Lust! Gut, dann können wir das wieder einpacken. Nr. 3 findet das Marienkäfer-Kostüm spitze und zieht es gleich an. Etwas eng mit all den anderen Kleidern drunter, aber geht noch. Fünfe gerade sein lassen 🙂 . Nr. 1 schnappt sich das orientalische Tänzerinnen-Kostüm, welches wir mal geschenkt bekommen haben und klimpert damit durchs Zimmer. Sicher? Na ja, mal sehen.

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Zweite Eskalation: Wir befinden uns im starken Abwärtstrend in der Stimmung. Denn Nr. 2 kann keine Piratenverkleidung finden! Und schreit plötzlich durch’s  Zimmer. Schließlich hat sie mir doch ganz deutlich schon vor WOCHEN gesagt, dass sie Käpt’n Sharky sein möchte. Echt? Ich kann mich gar nicht erinnern. Andererseits ist mein Kopf stets voll mit den vielen Ideen und Gedanken meiner Töchter, da kann es natürlich sein, dass ich diese kleine Info einfach mal überhört habe… Wie wäre es denn mit Clown? Oder Prinz? Polizist oder Cowboy hätte ich auch noch im Angebot, sogar mit Pistole und Handschellen… NEIN, das ist doch alles total bescheuert! – so zumindest Nr. 2. Ich höre ein Weinen… Nr. 4 ist aufgewacht, ist ja auch kein Wunder. Aber gut, sie hat fast eine Stunde geschlafen, das ist ok. Ich düse schnell wieder ins Erdgeschoss, um sie zu holen und an unserer „Kostümaussuch-Party“ teilhaben zu lassen. Wir wissen auch schon, als was sie sich verkleiden wird: Frosch. Wahlweise haben wir noch einen Marienkäfer für Babies im Angebot. Nach kurzer Anprobe entscheiden wir uns doch für den Marienkäfer, das passt besser zu ihrem Teint und zum Outfit von Nr. 3 🙂 . Nr. 2 ist immer noch auf Eskalationskurs. Plötzlich fällt mir wieder ein, dass ich doch ein Piratenkostüm gekauft hatte!!! Das gab es doch gerade erst beim Discounter. Ich rase wieder in den Keller und jaaaaaa, da liegt es, auf dem Vorratsregal. Juchhu. Eine Sorge weniger. Ich komme wieder ins Kinderzimmer mit besagtem Kostüm und taaa daaa: ich bin wieder die „beste Mami der Welt!“ Glück gehabt. Es geht wieder nach oben auf dem Stimmungs-Baromether. Mal sehen wie lange.

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Oh, schon kurz nach elf. Jetzt aber ab ins Bad. Ich höre innerlich schon Charles Aznavour mit „Du lässt disch gehen“… . Nein auf keinen Fall, Charles, das ist ein Versehen. Ich schwöre. Ich bin in der Regel schon lange VOR meinen Kindern geduscht und angezogen. Allez hop! Meine Kinder bekommen die strenge Anweisung, sich nun für eine halbe Stunde OHNE STREIT im Kinderzimmer zu beschäftigen, damit ich mich fertig machen kann, anschließend dürfen sie dafür die Sendung mit der Maus gucken. Das ist ein Deal und ich sause los. Puh geschafft! Endlich. Ich sammle meine Mäuse ein und wir wandern runter ins Wohnzimmer, die Damen gehen auf die Couch und ich in die Küche für die finale Zubereitung des Mittagessens. Heute gibt es ausnahmsweise sogar mal eine Fanta zum Mittagessen, da ich den Ladies eine Freude machen wollte und Nr. 1 ein Tag zuvor zusätzlich (ohne Gemotze) ein paar Sternchenaufgaben für die Schule erledigt hatte. HALBZEIT (Schon? Erst?) Nach dem Essen legen wir Nr. 4 noch mal zu einem Schläfchen hin, da sie bereits ziemlich knautschig ist und morgens ja jäh geweckt wurde. In dieser Zeit spielen wir ein paar Spiele zusammen, damit ich die Mädels ein bisschen leiten kann und es nicht all zu laut wird. Anschließend üben wir noch ein paar Purzelbäume, da Nr. 3 viel Bewegung braucht und heute noch nicht raus gekommen ist. Apropos „raus kommen“. Das ist eine gute Idee. Mittlerweile ist es fast drei Uhr und Nr. 4 ist am Aufwachen. Sehr gut. Bevor wir los können, muss ich allerdings noch mal kurz in den Keller, um die Wäsche auf zu hängen und Mausi braucht noch ihren Obstbrei. Gut, nach kurzem kuscheln mit Nr. 4 setze ich diese kurz in ihren Hochstuhl, damit ich noch in den Keller gehen kann, während die drei Großen schon mal auf die Toilette gehen sollen, um anschließend ihre Schuhe und Jacken anzuziehen. Zeitlich müsste das dann genau hin hauen.

Dritte Eskalation: Ich bin im Keller angekommen und habe in Windeseile ungefähr die Hälfte der Wäsche aufgehängt, da schreit Nr. 1  von oben. „Maaaaaaaaami, Nr. 3 hat Nr. 4 mit Fanta übergossen!!!“ Oh mein Gott. Ich lasse alles stehen und liegen, sause hoch und sehe das Disaster. Nun befinden wir uns in SEHR starkem Abwärtstrend der Stimmungswelle. Ich koche! Mein Puls rast! Ich bin stinksauer! UND ich werde laut. Denn anstatt sich für den Spaziergang fertig zu machen, dachte sich Nr. 3 wohl, es wäre sinnvoller ihrer kleinen Schwester, etwas zu trinken zu geben. Aus dem Becher! Obwohl sie genau weiß, dass sie dies nicht darf. Angeblich wollte sie Nr. 4 eine kleine Freude machen, denn Fanta gibt es ja so gut wie nie bei uns! Aha, tolle Erklärung.

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Ich schnappe mir meine Jüngste, die wirklich von oben bis unten pitsch nass ist und gehe mit ihr nach oben, um sie komplett auszuziehen, kurz zu baden und wieder anzuziehen. ICH HABE JA SONST NICHTS ZU TUN! Währenddessen weint und schreit auch Nr. 3 von unten, da ich ja mit ihr geschimpft habe. Toll, die Stimmung ist unter dem Nullpunkt angekommen. Aus dem Schlafzimmer kommen Geräusche. Oh, Papa ist aufgewacht. Aus lauter Sorge um seine Töchter, düst er nach unten, um Nr. 3 zu beruhigen und anschließend mich. Bei mir ist allerdings Hopfen und Malz verloren. Ich bin voll drin im Film und möchte erst mal nichts mehr Wissen von Nr. 3. Ich sage ihr innerlich den Kampf an. Gleichzeitig fällt mir allerdings auf, dass ich ja mit ihr in einem Haus wohne und noch ein paar Jährchen auf GUTE Stimmung angewiesen bin. Was für ein Dilemma! Aber was wäre unser Mädelshaushalt ohne Papa??? Wahrscheinlich eine reine Eskalationstufe 🙂 . Irgendwie schafft er es immer wieder, jeden von uns zu beruhigen und auch eine noch so nach unten wandernde Stimmungswelle anzuhalten, und Stück für Stück, wieder nach oben zu bewegen. Ich weiß nicht wie er das macht, geschweige denn, wie er das Zickentheater aushält, ABER er tut es. Und dafür LIEBEN wir ihn, heiß und innig 😉 . Mittlerweile ist es kurz vor 16:00 Uhr und wir gehen – nach all den Aufregungen – erst mal zum Neckar. Das beruhigt in der Regel die Gemüter. Und tatsächlich, nachdem wir endlich alle angezogen sind und im Auto ANGESCHNALLT sitzen, landen wir am Wasser und die Stimmung hebt sich wieder. Wir haben Spaß auf dem Spielplatz und auch ich verabschiede mich von meinen Kampfansagen und schließe meine Ladies wieder fest ins Herz. DANK PAPA verlaufen die restlichen zwei Nachmittags-Stunden um Welten ruhiger und gemeinsam schaffen wir es tatsächlich noch ein schönes und fröhliches Abendessen zu zaubern und die Mäuse irgendwie vor acht Uhr ins Bett zu bekommen. GESCHAFFT 🙂 . Da geht er dahin, der „normale“ Sonntag im Hause Rath. Jetzt nur noch die Küche und ein paar Spielsachen aufräumen und dann ab auf die Couch. Der Tatort wartet schon auf mich. Das ist doch schön.

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