Termin beim Chef…

Denn ich hatte ja mal einen Job! So einen richtigen, anerkannten Job mit Gehalt, Zielvereinbarungen, konstruktiver Kritik und URLAUB 😉 . Nun ja, zugegeben, es ist schon lange her, dass ich Vollzeit gearbeitet habe, doch durch meine vielen Elternzeiten, kam ich in den Genuss, verschiedene Teilzeitmodelle auszuprobieren und bin somit ganz gut gerüstet für das Thema „Wiedereinstieg“.

Nun ja, jetzt war es also wieder soweit. Ein Gespräch mit meiner Vorgesetzten stand an, in dem wir uns gegenseitig über den aktuellen Stand informieren wollten. In den Tagen zuvor, sind mir viele Fragen durch den Kopf gesaust: mit wie viel Prozent will ich wieder einsteigen? Welche Tätigkeiten kann ich mir vorstellen? Welche sind mit meiner Familienkonstruktion vereinbar? Kann ich einen Teil von zu Hause aus erledigen?
Mhhh, nach reiflicher Grübelei, komme ich mehr oder minder fest entschlossen zu der Entscheidung, dass ich die nächsten zwei Jahre der Elternzeit noch zu Hause zu verbringen möchte, um diesen Abschnitt intensiv mit meinen Mädels zu genießen. Denn obwohl ich meinen Job wirklich liebe und häufig dachte, dass sich mein Berufsleben – im Vergleich zum Familienleben – wie eine WELLNESS-OASE anfühlt, so empfinde ich es irgendwie als großes Glück, diese Zeit noch bei meinen Lieben bleiben zu können. Ich meine, dieser Lebensabschnitt kommt nie wieder und und in der „Arbeitswelt“ werde ich mich wohl noch sehr sehr lange austoben können bei den heutigen Rentenaussichten…

Doch zurück zu meinem Termin: der Tag startet schon sensationell, was eigentlich kein gutes Zeichen ist! Im Prinzip geht es schon in der Nacht los, denn in DIESER Nacht vor besagtem Termin, bin ich nur im Einsatz. Nr. 3 macht den Anfang (ich habe ungefähr zwei Stunden geschlafen) und wimmert vor sich hin, weil sie irgendwelche Hexen bei sich im Zimmer entdeckt hat. Ok, ich verweile bei ihr am Bett, bis sie wieder eingeschlummert ist, doch kaum bin ich wieder in MEINEM Bett angekommen, schreit Nr. 4 los! Herrje, was ist denn jetzt schon wieder??? Mausi hat wohl auch schlecht geträumt, doch Madame lässt sich nicht so schnell beruhigen, also nehme ich sie kurzerhand mit in mein Bett, damit ich ENDLICH auch mal wieder liegen kann. Soweit so gut, irgendwann schlummert mein Madämchen doch noch ein und auch ich kann wieder schlafen. Zack! Nur eine weitere Stunde später hat Nr.2 einen Alptraum! Was für ein Timing… Ich meine so viele schlechte Träume haben die Kleinen sonst nicht in einer ganzen Woche!!! Nr.2 ist hartnäckig, denn sie ruft mich alle halbe Stunde, um mir mitzuteilen, dass sie nicht wieder einschlafen kann…. Nicht, dass ich mit dieser Info etwas anfangen könnte, geschweige denn, dass sie mich interessiert, doch es scheint ihr ein inneres Bedürfnis zu sein, mich auf dem Laufenden zu halten. Letztendlich kommt sie irgendwann auch in unser Bett geschlendert und findet irgendwo zwischen Nr. 4 und mir ein Plätzchen. Halleluja, glücklicherweise ist Papa noch nicht im Bett! 😉 .

Nach dieser unglaublich erholsamen Nacht,  klingelt also der Wecker wie immer um viertel nach sechs! Meine Damen schlafen nun endlich tief und fest und ich genieße die Ruhe und düse in die Küche, um schon mal das Frühstück vorzubereiten. Während ich zwischen Küche und Esstisch hin und her sause, fällt mir auf, dass einige Fließen eiskalt sind, fast nass fühlen sich diese an. Ich wische mit einem Tuch darüber, vielleicht habe ich ja etwas unbemerkt verschüttet… doch da ist nichts, das Tuch ist trocken! Komisch. Na ja, die Spülmaschine ist fast ausgeräumt, da schlendern Nr. 2 und 3 in die Küche und begrüßen mich fröhlich. Na das ist doch schon was. Bis der Kakao fertig ist, spielen die zwei mit ihrem Drehstuhl, der direkt neben dem Kühlschrank steht. Während ich so vor mich hinwurschtele und intensiv darüber nachdenke, was ich heute eigentlich ANZIEHEN soll, springt plötzlich die Tür des Gefrierschranks auf. „Was soll das denn???„, schimpfe ich mit Nr. 2. „Könnt ihr nicht aufpassen?“. Als ich die Türe wieder schließen möchte, bemerke ich jedoch, dass diese gar nicht richtig zugeht, da die Schublade scheinbar zu weit raus steht und sich somit die Gefrierschranktüre nicht wirklich schließen lässt. Oh mein Gott! Mir läuft es heiß und kalt den Rücken runter… Ich ziehe die erste Schublade ganz heraus und sehe, dass der Inhalt bereits halb aufgetaut ist. Die Packungen der Mini-Pizzen, der Tiefkühlkräuter und des tiefgefrorenen Fleischs sind tropfnass.

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MIST! MIST! MIST! Nach der Nacht, kann ich so etwas jetzt wirklich gebrauchen. Und ausgerechnet heute müssen wir oberpünktlich das Haus verlassen, damit ich auch zeitig im Büro lande. Leider sieht die zweite Schublade auch nicht gerade besser aus und ich entschließe mich, erst mal alles raus zu holen, die Lebensmittel weg zu werfen (ist mir einfach zu gefährlich) das Gefrierfach zu enteisen und sauber zu machen. Nr. 1 und 4 sind mittlerweile auch aufgewacht. Ok, dann eben erst mal Frühstück für alle, ein Kaffee für mich, kann sicherlich auch nicht schaden und die Putzaktion auf etwas später verschieben.
In meinem Kopf rattert es: Wie konnte das nur passieren?

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Oh je, ach ja klar, jetzt fällt es mir wieder ein. Ich glaube, ich bin selbst Schuld (das ist ja am aller blödesten…), denn vermutlich habe ich das Fach am Abend vorher nicht fest genug zu geschoben, als ich die Pommes für’s Grillen raus geholt habe. Na toll, das heißt ja, dass das Ding jetzt gute ZWÖLF Stunden volle Power gegeben hat und dabei mehr die Küchenfließen gekühlt hat, als die Lebensmittel. Über die Energieverschwendung will ich mal gar nicht weiter nachdenken. Sowieso habe ich gar keine Zeit zum Denken, denn jetzt ist zügiges Vorankommen angesagt. Während meine Ladies noch zu Ende frühstücken, schnappe ich mir ein Küchenutensil, um das vereiste Gefrierfach zu bearbeiten, damit ich die leeren Gefrierfachschubladen wieder einsetzen kann und die Kühlung endlich wieder im Normalgang weiterpumpt. Geschafft! Alles andere lasse ich stehen und liegen, denn der Blick auf die Uhr verrät NICHTS GUTES…

Ich: „So Mädels, jetzt müsst ihr echt mithelfen, wir sind spät dran!“
Nr. 1 : „Also alles wie immer Mami, oder?“
Ich: „Ab nach oben ins Bad und dann anziehen!“ (auf so einen unqualifizierten Beitrag gehe ich an diesem Morgen gar nicht erst ein… also echt, ey)

Irgendwie schaffen wir es. Alle Mädels haben etwas an und die Schul- und Kindergartenbrote sind geschmiert und verpackt. Da ich immer noch nicht weiß, was ich anziehen soll, entscheide ich mich für Jogginganzug und vertage die Frage auf später, denn glücklicherweise ist der Termin erst um 10:00 Uhr. Wenn ich die Fahrtzeit noch abziehe und das Aufräumen des chaotischen Esstisches noch einrechne, bleiben mir noch zwanzig Minuten für die Outfitauswahl… Nicht viel, aber machbar.

Jetzt aber raus aus dem Haus! Gott sei dank, verläuft die Fahrt zu Kita- und Kindergarten reibungslos. Nr. 4 hat zwar keine Lust und guckt mich nicht mal mehr an bei der Verabschiedung, dafür wünschen mir Nr. 2 und 3 gaaaaanz viel Glück heute und drücken mir fest die Daumen, dass meine Chefin gute Laune hat 😉 . Süß, oder?
Ich düse wieder nach Hause, räume die Spülmaschine ein, fege die Krümel vom Tisch und dann vom Boden, damit der Herr des Hauses später auch gemütlich frühstücken kann. Ausserdem darf ich ja auch noch das Desaster des Gefrierfachs weg räumen, das hätte ich doch fast vergessen. Ui, da fällt mir ein, dass ich noch dringend nach meinem Firmenausweis suchen muss, denn ohne den komme ich ja gar nicht aufs Gelände… Oh oh, das habe ich in meiner Zeitberechnung völlig vergessen. Ich flitze in den Keller, wo mein Arbeitsequipment derzeit lagert und finde ihn tatsächlich ordentlich abgelegt in der Laptoptasche. Ach, in diesen Dingen, ist doch verlass auf mich 😉 .

Ich stehe vor meinem KLEIDERSCHRANK: lange Rede, kurzer Sinn: ich ziehe mich ungefähr zwanzig mal an und wieder aus und doch bin ich nur semizufrieden mit dem Endergebnis!!! Mal passt es oben nicht, mal unten! Ich stelle fest: Frau Rath benötigt DRINGEND NEUE Klamotten fürs Businessleben!

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Fotoshooting – Businesslook


Ach, da ist die Kamera

Ach, da ist die Kamera


Was mache ich als nächstes?

Was mache ich als nächstes?


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Mal von oben, auch gut


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Es wird, Frau Rath


Auch nicht schlecht...

Auch nicht schlecht…

Aber: keine Zeit, ich muss los, denn ich bin schon fünf Minuten über meinem Plan. Schlääääächt… Nachdem ich alles was ich noch so benötigen könnte, in meine Tasche gestopft habe, schließe ich endlich die Haustüre und setze mich ins Auto.
Adresse ins Navi eingeben. Feststellen, dass ich dieses Gebäude noch gar nicht kenne – Schock. Errechnete Routenzeit: 25 Minuten. Verbleibende Zeit bis zum Termin: 35 Minuten. Das heißt also: in 10 Minuten einen Parkplatz finden, zum Gebäude laufen, an der Information einchecken und final: das Besprechungszimmer suchen. Mir wird ÜBEL… Das schaffe ich nie. Das kommt davon, wenn der Tag schon so suboptimal startet!

Doch manchmal habe ich ein bisschen Glück bei den Ampeln und ich düse auf legalem Wege 😉 durch eine grüne Welle Richtung Autobahn. Danke, danke, danke, wer immer mir hier positiv gesinnt war. Auf der Autobahn sieht es gut aus, nicht all zu viel Verkehr. Doch das nächste Drama lässt nicht lange auf sich warten: BAUSTELLE. Ich krieche eher als dass ich fahre und wähle schon mal die Telefonnummer meiner Chefin, um zu beichten, dass ich mich ungefähr 10 Minuten verspäte (hoffentlich reicht das überhaupt). Doch diese ist gar nicht zu erreichen. Na gut, dann drücke ich mir eben weiter die Daumen, dass ich hier zügig durchkomme. Warum habe ich mich auch so lange mit meinen Klamotten beschäftigt??? Man, das ist doch total bescheuert, überflüssig und ja, genau, ZeitVERSCHWENDUNG. Ich ärgere mich über mich selbst. Da sich dieses „sich-über-sich-selbst-ärgern“ aber gar nicht so gut anfühlt, ärgere mich eben auch noch darüber, dass mir niemand mitgeteilt hat, dass meine gesamte Abteilung in ein anderes Gebäude gezogen ist. Ich meine, das ist doch eine wichtige Information, oder etwa nicht? (so fühlt sich die Sache mit dem Ärger gleich viel besser an 😉 ).Dabei bemerke ich wiederum, dass man in der Elternzeit grundsätzlich eher bescheiden informiert wird. Beim ersten Mal hat mir das ganz schön zu schaffen gemacht, dass ICH, die wichtige Mitarbeiterin Sabine Rath (übrigens eine unter insgesamt 35.000 Mitarbeitern – nur so zur Einschätzung der Wichtigkeit) nicht sofort über sämtliche Geschehnisse und Veränderungen informiert werde. Damals hatte ich das Gefühl, dass mit dem Status „ruhendes Arbeitsverhältnis“ wohl gemeint ist „Ruhe in Frieden, bis du wieder einsatzfähig bist“…
Nun ja, heute sehe ich das Ganze viel entspannter und freue mich darüber, dass mein Arbeitgeber mir vollen Freiraum für das Mamileben lässt. Dazu hat es dann auch NUR VIER Elternzeiten benötigt. Und ich habe auch eingesehen (und schmerzlich verarbeitet), dass die Firma nicht den Bach runter geht, nur weil ich mal ein paar Monate nicht da bin 😉 .

„Sie haben ihr Ziel erreicht“, sagt die Frau mit der ruhigen Stimme aus dem Navi und reißt mich wieder aus meinen Gedanken. Aha, aha, hä welches Ziel? Wo soll das Gebäude denn sein? Ich stehe vor einem niegelnagelneuen, wunderschönen Gebäude. Modern, hell, riesig! Wow. Ich bin sprachlos. Doch es bleibt keine Zeit zum Staunen. Ich habe noch eine Minute, das schaffe ich, juchhuuuuu, das schaffe ich! Auch von innen, ist das neue Gebäude ein echter Hingucker. Da haben die Architekten mal ganz nach meinem Geschmack gearbeitet, obwohl ich nichts dazu beigetragen habe. Ich bin beeindruckt. Schwer beeindruckt.
Und ein paar Sekunden nach 10:00 stehe ich tatsächlich vor besagtem Treffpunkt und kann selbst kaum glauben, dass ich nach diesem sehr holprigen Start in den Tag, wirklich gelandet bin.

Das Gespräch läuft dann dafür richtig gut. Ich staune was sich alle getan hat, sowohl strukturell als auch inhaltlich. Und ich muss zugeben, dass meine inneren Vorsätze, noch zwei Jahre zu Hause zu bleiben, ins Wanken geraten. Schwer ins Wanken geraten. Nach einer inspirierenden Stunde und einem Bouquet tausend neuer Möglichkeiten, verabschiede ich mich von meiner Chefin und bedanke mich für das tolle Gespräch. Ich treffe noch ein paar Kollegen und muss feststellen, dass ich schon ganz vergessen hatte, wie schön auch diese Seite des Lebens sein kann 😉 .

Auf dem Weg nach Hause formieren sich meine Gedanken, ich lasse alle Informationen noch mal Revue passieren und beschließe noch mal tief in mich zu gehen…

Fühlt euch gedrückt, ihr Lieben 🙂

2 Gedanken zu “Termin beim Chef…

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