Und es rollt doch….

Schon lange habe ich den großen Wunsch wieder mehr Fahrrad zu fahren, denn in meiner Kindheit und Jugend, habe ich das wirklich gerne getan. Selbst später in meiner Studien- und Arbeitszeit, bin ich fast alle Strecken mit dem Fahrrad gefahren, sofern dies möglich war. Doch dann kam Mausi Nr. 1 und irgendwie habe ich plötzlich vieles zu Fuß oder eben mit dem Auto erledigt. Damals fand ich die Idee einen Anhänger für’s Fahrrad zu kaufen ganz wundervoll, doch leider konnte ich meinen Mann nicht von diesem Vorschlag überzeugen, da er diese „Dinger“ (wie er sagt) VIEL zu gefährlich findet und sie außerdem eine Menge Platz zum Parken brauchen.

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Dann kam Mausi Nr.2 und und meine Fahrrad-in-den-Alltag-Integrations-Pläne sind in weite Ferne gerückt. Nun ja, mit der Geburt von Nr. 3 habe ich mein Fahrrad dann in den Keller verbannt, da sich so gut wie keine Gelegenheit mehr geboten hat, mal kurz alleine irgendwo hin zu düsen, von daher habe ich lieber Platz in der Garage geschaffen, für den Fuhrpark meiner Töchter 🙂 .

Apropos – je weniger ich gefahren bin, desto mehr haben meine Ladies in dieser Zeit, Laufrad und später dann, Fahrrad fahren gelernt. Bei Nr. 1 war es irgendwie ein anstrengendes Unterfangen und ich erinnere mich gut, dass ich meistens wie von der Tarantel gestochen, hinter ihr her gesaust bin, in dem Glauben, ich könnte dadurch das Schlimmste verhindern… Nr. 2 war wesentlich ehrgeiziger und hat es schneller gelernt, fährt allerdings bis heute, einen äußerst raudihaften Stil. Na und Nr. 3 hat es scheinbar im Schlaf gelernt, denn sie war die erste, die innerhalb von einem Tag, ohne größere Vorkommnisse, vom Laufrad auf das Fahrrad umgestiegen ist. Und sie war es auch, die mich täglich mit Fragen gelöchert hat, wann wir endlich mit dem Fahrrad in den Kindergarten fahren. Das hatte ich mit den Großen auch hin und wieder gemacht, als beide noch in den Kindergarten gingen und Nr. 3 frisch geboren war. Allerdings sah das stets so aus, dass die zwei mit dem Fahrrad los gedüst sind und ich mit Nr. 3 im Ergobaby hinterher gejoggt bin – weder für mich noch für Nr. 3 eine wirklich prickelnde Angelegenheit…

Doch der Gedanke an sich gefiel mir und es begann in meinem Kopf zu rattern, wie wir solche „Radtouren“ in unseren Alltag integrieren könnten. Also googelte ich mich erst mal wieder tagelang  durch’s Netz und machte mich schlau über alle Vor- und Nachteile eines Anhängers versus eines Kindersitzes. Allein diese Recherche kostete mich Nerven, da ich hin und hergerissen war, sowohl sicherheitstechnisch, als preislich, als auch praktisch. Und somit verzögerte sich mein Vorhaben Tag um Tag, während die warmen Morgende immer Näher rückten.
Letztendlich habe ich mich dann FÜR den Kindersitz entschieden, aus folgenden GRÜNDEN:

– wir sind astreine „Schönwetterfahrer“
– wir fahren relativ kurze Strecken – unsere Radtouren finden eher zwischen Haustür und Kindergarten statt
– die vielen SUV’s, die bei uns durch die Gegend fahren, sind genau auf der Höhe eines Anhängers
– in zwei bis drei Jahren wird Nr. 4 selbst Fahrrad fahren
– so ein Anhänger ist ganz schön groß und nimmt eine Menge Platz in der Garage ein
– wir haben ein geräumiges Auto, das wir jederzeit nutzen können
– ein Anhänger kostet das sechsfache eines Kindersitzes –> Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht stimmig für unsere Bedürfnisse
– Papa ist nach wie vor GEGEN einen Anhänger! (ich denke das ist wohl das Hauptargument 🙂 )

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Nachdem ich also ENDLICH eine Entscheidung getroffen hatte, sauste ich voller Vorfreude von Fahrradladen zu Fahrradladen, denn zeitgleich hatte ich beschlossen, dass mein altes Rad diesen Strapazen nicht gewachsen sein würde und ich unbedingt ein Neues brauchte (schließlich würden wir ja schon extrem viel Geld einsparen, weil wir keinen Anhänger kauften). Doch hier kam gleich die nächste große Entscheidungswelle auf mich zu: WAS für eine ART von Fahrrad möchten Sie denn??? Uff, schon wieder so viele Möglichkeiten – von Citybike über Hollandrad bis hin zu Trekkingrädern. Die Auswahl war riesig, von den verschiedenen Marken will ich gar nicht erst anfangen. Aber solch eine Entscheidung braucht Zeit und so habe ich mich durch verschiedene Modelle geradelt, bis ich endlich einen Favoriten gefunden hatte. Jetzt nur noch das ausgewählte Modell durch Google jagen, die Testberichte studieren, meinen Mann überzeugen und dann konnte es wirklich losgehen.

Die erste Fahrt vom Fahrradladen nach Hause war traumhaft: ich alleine, mit meinem Luxusliner unterm Popo und dem Wind im Gesicht – HERRLICH! Zugegeben, ich war etwas k.o, als ich zu Hause ankam, aber all die Glücksgefühle machten dies wieder wett.
Am nächsten Morgen fuhren wir natürlich direkt mit den Rädern zum Kindergarten und meine Mädels waren glücklich. Dies war dann auch meine erste Fahrt mit Nr. 4 im Kindersitz und es war anstrengender als ich dachte. Zum Glück hatten mich die Verkäufer überzeugt, nur einen kleinen Korb für vorne zu kaufen, denn das Gewicht hinten drauf, war schon schwierig genug zu bewerkstelligen. Ich muss sagen, als wir endlich am Kindergarten ankamen, war ich mit meinen Nerven schon fix und fertig, denn während ich ja den eigenen Verkehr auf der Straße im Blick behalten musste, durfte ich auch meine zwei Mäuse auf dem Gehweg nicht aus den Augen lassen und musste diverse Anweisungen geben. Uff, wir brauchten Übung (so meine erste Feststellung), denn sonst wäre ich, um kurz nach acht Uhr, für den Rest des Tages schon völlig erledigt, der aber noch zehn Stunden andauern würde.

Nachdem ich dann Nr. 2 und 3 gut abgeliefert hatte und die Kinderräder verschlossen und angekettet waren, schnappte ich mir Nr. 4 und wollte noch ein paar Sachen mit ihr und meinem neuen Gefährt erledigen. Ich „düste“ los, doch fiel mir auf, dass ich extrem schnell außer Puste war und ganz schön viel Kraft aufwenden musste, um von A nach B zu kommen. Ok gut, ich war jetzt einige Jahre nicht mehr gefahren, aber soooo untrainiert war ich doch eigentlich auch nicht. Komisch…

Doch die nächsten drei Wochen änderte sich leider nicht viel an diesem Gefühl, dass ich unheimlich schwer treten musste, um das Radel in Bewegung zu bekommen. Eigentlich machte es nur Spaß, wenn ich mit den Kindern fuhr, denn bei diesem Tempo konnte ich gut mithalten. Alle anderen Touren waren irgendwie niederschmetternd für mich, denn JEDER, wirklich JEDER, düste an mir vorbei, teilweise mit ganz alten klapprigen Modellen. Als ich dann auch mehrfach von älteren Leuten überholt wurde und diese ganz mühelos an mir vorbeizogen, beschloss ich, dass es nicht an mir liegen konnte! Ich war vielleicht aus der Übung, aber Radfahren verlernt man ja nicht und eine derart schlechte Kondition hatte ich nicht einmal in meinen Schwangerschaften an den Tag gelegt. Das einzig Positive an allem war, dass ich in dieser kurzen Zeit schon richtig feste Oberschenkel bekommen hatte, immerhin etwas 🙂 .

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Also fuhr ich zurück zum Fahrradladen und meinte, dass mein Modell ja ganz nett wäre und laut Testberichten auch super gut in der Handhabung ist, selbst kleine Berganfahrten wären möglich, doch bei mir schien das nicht zuzutreffen, denn ich war nach jeder noch so kurzen Fahrt, völlig kaputt und pfeifte buchstäblich aus dem letzten Loch…  Der Verkäufer warf nur einen EINZIGEN Blick auf mein Rad und meinte: „ja das ist auch kein Wunder, denn du fährst die ganz Zeit mit angezogener BREMSE!“ Häää, was? Ich muss ziemlich verdutzt geguckt haben, doch dann zeigte er mir, dass scheinbar beim Aufbau des Kindersitzes, das Kabel der hinteren Bremse rausgesprungen sein musste und somit ständig ein Bremsblock am Reifen klebte… Ha ja dann! Dann wundert mich ja gar nichts. Er versicherte mir noch, dass ich jetzt mit Sicherheit, wie ein junges Wiesel davon flitzen würde, schließlich hatte ich die letzten Wochen unter heftigen Bedingungen trainiert. Haha, sehr witzig! Doch er hatte Recht! Jetzt fühlte es sich wirklich leicht und flott an, meine Reifen rollten sogar, wenn ich mal nicht in die Pedale trat. Toll!  Und zum ersten Mal, konnte ich auch einen anderen Radfahrer überholen – ohhhh, was für ein Gefühl.

Na, und seit dem radeln wir ganz fleißig von A nach B und auch wenn jede Fahrt, nach wie vor mit Aufregung verbunden ist und ich jedes Mal dankbar bin, wenn alle gesund und unverletzt am Ziel angekommen sind, so ist es doch eine wunderschöne Bereicherung in unserem Familienalltag..

In diesem Sinne, meine Lieben, wünsche ich euch einen schönen radeligen Tag 🙂

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