Gefangen in Berlin…

Letzte Woche bin ich spontan mit Oma und den Mädels nach Berlin zu meinem Bruder und seiner süßen Familie gefahren. Leider machen wir das viiiiiel zu selten, um so schöner, dass es diesmal so kurzfristig geklappt hat. Zum ersten Mal fahre ich also im Sommer nach Berlin, denn ich kenne diese Stadt eigentlich nur im Herbst und Winter. Doch egal zu welcher Jahreszeit, es ist immer eine Reise Wert, weil ich stets frisch inspiriert und voller neuer Ideen zurück in den Süden fahre…

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Diesmal habe ich ein ganz anderes Berlin kennen gelernt, da es ein ausschließlicher Familienbesuch war: meine Mami, mein Bruder, ich und unsere (insgesamt) SECHS Kinderleins. Unser Papa musste leider arbeiten und meine liebe Schwägerin war auf einer Fortbildung und somit nur abends anwesend. Also haben wir ein reines Kinderprogramm auf die Beine gestellt: kein Museum, kein Shopping (das war hart für mich…) und keine langen Besichtigungsmärsche. Stattdessen haben wir tolle Spielplätze kennengelernt (ich wußte gar nicht, dass es so viele grüne Fleckchen in der Stadt gibt), super leckeres Eis gegessen und uns abends den Bauch mit frisch belegter Pizza und Salat voll geschlagen. Dann haben wir noch den Berliner Zoo erobert (ein echtes Highlight) und wäre es nicht so wahnsinnig heiß gewesen an diesem Tag, hätten wir sicherlich den ganzen Tag dort durchgehalten. Doch mit sechs Kindern, waren Oma, mein Bruder und ich irgendwann auch geschafft und so haben wir die Rasselbande wieder eingepackt und einen Spielenachmittag in der Wohnung verbracht. Auch schön. Abends wurden wir dann noch kulinarisch verwöhnt und sind anschließend bestens gelaunt und seeeehr müde zurück zu unserem Apartment geschlappt.

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Dafür gab es dann am nächsten Tag noch eine touristentypische Spreefahrt – mit Fanta an Board (das Highlight von Nr. 2). Herrlich. Also doch ein bisschen Besichtigungsprogramm – aber um ehrlich zu sein, haben wir vor lauter Gebabbel und Gefrage der Kinder nicht viel mitbekommen 🙂 . Typisch.
Anschließend ging es noch an den Arbeitsplatz meines Bruderherzens, an dem die Kinder voller Tatendrang den gesamten Boden mit Kreide bemalen durften – das war natürlich spitze! Sich von oben bis unten einsauen zu dürfen und dabei noch kreativ den Betonboden verschönern… da waren die Mädels im siebten Himmel. Und obwohl wir nur zwei Tage dort waren, hatten wir das Gefühl eine ganze Woche dort verbracht zu haben. Das liebe ich so an dieser Stadt.

Doch meine geplante Abfahrtszeit rückte immer näher und so suchte ich gegen 16:00 Uhr meine Mädels und Oma zusammen, damit wir pünktlich los kommen würden. So Dinge wie Hin- und Rückreise, plane ich mir meistens genau durch und berechne dabei auch Themen wie Berufs- oder Ferienverkehr ein. Also sollten alle noch mal Pipi machen gehen, Nr. 4 wechselte ich noch schnell die Pampers, denn der nächste Stopp würde erst in ca. drei Stunden auf der Autobahn statt finden. Laut meines Plans, wäre ich gegen 22:30 Uhr wieder zu Hause und somit noch fit für die gesamte Strecke von gut 600 km. Schön. Das passt. Abendessen könnten wir gegen 19:00 Uhr an einer Raststätte und mit viel Glück, würden meine Mädels gegen 20: 00 Uhr einschlummern und ich könnte in Ruhe die letzten Fahrtstunden mit meiner Mami genießen. Aber IRGENDWIE kommt es ganz anders…
Nachdem wir uns also von Cousins, Cousinen, Onkel und Tante verabschiedet haben, sitzen wir um 16:15 Uhr startklar im Auto und schmeißen die Frau Navigation an, die uns auf die Autobahn und anschließend nach Hause bringen soll. Gesagt getan.Wir fahren los und ich folge brav den Anweisungen – was soll ich auch anderes machen? Ich kenne mich in Berlin kein bisschen aus und bin Zeit meines Lebens in Erdkunde nur mäßig bewandert gewesen. Frau Navigation teilt mir mit, dass ich bitte die nächste links abbiegen soll –> auf den Autobahnzubringer Richtung Hamburg. Aha! Ja! Schwierig, denn diese Abfahrt ist KOMPLETT gesperrt.

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Ich fahre also weiter gerade aus und verlasse mich darauf, dass Frau Navigation mir eine neue Route ausrechnen wird. Dann kommt ein Hinweis auf einen Stau – ich gebe ein, diesen bitte zu berücksichtigen! Fehler!!! Jetzt werde ich zurück in kleine Strassen geführt, aber mein Vertrauen ist groß und ich folge weiter. Nun soll ich Richtung Charlottenburg… mache ich. Doch auch diese Abfahrt ist gesperrt und ich muss weiter geradeaus fahren, ohne zu wissen wohin. Ok, es wird bestimmt eine Umleitung geben. Frau Navigation gibt mir weitere Anweisungen, aber es ist unmöglich diesen zu folgen. Zurück Richtung Steglitz, ja gut. Doch wie soll es anders sein – auch diese Möglichkeit ist zu. Jedoch bemerke ich ganz zufällig, dass man eine Querstrasse später nach links abbiegen kann, irgendwo ganz versteckelt neben einer Brückenauffahrt. Geschafft, ich bin wieder „on the road“. Nun geht es  laut Schildern also Richtung Dresden und ich gehe davon aus, dass dies die Ausweichroute ist. Aber NEIN, weit gefehlt, Frau Navigation hat mich scheinbar zurück gelotst und ich sehe plötzlich wieder die GESPERRTE Abfahrt Richtung Hamburg! Hä??? Hier war ich doch gerade erst. So ein Mist. Mittlerweile ist schon gut eine halbe Stunde vergangen und laut meiner Planung, bin ich eigentlich schon auf der Autobahn. Scheibenkleister. Unglücklicherweise sind Nr. 3 und 4 auch noch eingeschlafen. Es läuft äußerst SUBOPTIMAL. Ich fange an mich mit Frau Navigation zu unterhalten und erkläre ihr, dass ihre bescheidenen Angaben, leider nicht machbar sind und sie sich gefälligst mehr Mühe geben soll! Bringt leider nichts. Allerdings kommentieren nun auch Nr. 1, 2 und Oma das ganz Disaster…

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Ich fahre also wieder geradeaus weiter und lande erneut an der Baustelle bei Charlottenburg (oder ist das EINE einzige RIESEN Baustelle). Dann wieder diese diffuse Ansage mit Steglitz, vorbei am Brückenpfeiler und plötzlich wieder Richtung Dresden. OH MEIN GOTT. Da ich mich wirklich gar nicht auskenne, folge ich weiter den Anweisungen, doch mir wird klar, dass Frau Navigation mich stets zurück zur Abfahrt Richtung Hamburg bringen möchte. Oh je, das bringt doch alles nichts. Ich könnte heulen, schreien, die Baustellenschilder platt fahren, denn ich will nur noch hier raus. Die Zeit rast nur so dahin und mittlerweile ist es schon kurz nach fünf Uhr! Und ich hänge immer noch MITTEN in Berlin fest. KATASTROPHE! Ich will schreien, entscheide mich dann aber doch eher für wimmern und verzweifeltes Meckern und verbiete nach einer weiteren sinnlosen Tour allen Anwesenden zu reden! ALLEN, inklusive Frau Navigation. Ich beschließe jetzt einfach Richtung Dresden zu fahren, total egal, ob das auf meinem Heimweg liegt oder nicht, Hauptsache ich komme auf eine Autobahn. Von dort aus, schaffe ich es bestimmt irgendwie. Ich fahre also frisch motiviert in diese Richtung, bis ich einen gigantischen Stau vor mir sehe! Das gibt es doch gar nicht! Ich will nicht auch noch im Stau stehen, ohne zu wissen, wohin mich dieser Weg überhaupt führt. Allmählich beschleicht mich das Gefühl, dass ich gefangen bin in Berlin. Es gibt gar keine Möglichkeit aus dieser Stadt zu kommen, da jede, einfach JEDE Abfahrt gesperrt ist.
Da fällt mir ein, dass ich es ja mal mit HERRN Navigation von meinem Handy versuchen könnte, der ist bestimmt auf dem neuesten Stand und kennt jede Baustelle und somit kann er mich auch sicher aus dieser Stadt geleiten. Denn mittlerweile möchte ich nur noch eins: raus, raus, raus und ab auf die Autobahn! Meine arme Mami, meine armen Kinder… Irgendwie läuft das ganz und gar nicht nach meinem Plan. Es ist nun schon 17:30Uhr und ich werde frühestens gegen Mitternacht zu Hause eintrudeln. HILFE. Doch jetzt gibt es ja Hoffnung. Ein kleiner Lichtblick am Himmel. Ich höre nun sogar Straßennamen, die ich zuvor noch nicht gehört hatte… also geht doch. Meine Stimmung hebt sich ein bisschen, obwohl ich mittlerweile voll im Berufsverkehr gelandet bin und an jeder Ampel eine gefühlte Ewigkeit warten muss.

Aber nein, ich fasse es nicht! Ich sehe schon wieder Schilder mit der Aufschrift Hamburg, Hohenzollerndamm, Charlottenburg

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Ok, es reicht! Das war’s. Mir sausen schon Bilde durch den Kopf wie „noch eine Nacht in Berlin“ oder „ein Schläfchen haltend an einer Raststätte“. Kennt ihr diese Alpträume, bei denen man das Gefühl hat, nicht mehr zu entkommen? Genauso fühlte ich mich in diesem Moment 😉 . Wo war mein Mann? Der kann doch mit solchen Situationen viel besser umgehen… Da fiel mir ein, dass ich mich nicht so hängen lassen durfte, schließlich waren Nr. 1 und 2 noch wach und bekamen alles mit. Also dann – zusammenreißen ist angesagt! Weinen kann ich auch später auf der Toilette…

Also gut, nun fasse ich den Entschluss Richtung Leipzig zu fahren, einfach zu fahren, nach Beschilderung; egal ob mit oder ohne Stau, Baustelle oder anderen Widrigkeiten. Ich werde mich STUR Richtung Leipzig bewegen und wenn ich es jemals auf eine Autobahn schaffen sollte, dann werde ich wieder Frau Navigation einschalten. Aber erst dann!
Und so fahre ich, kilometerlang. Und fahre und fahre und fahre…. Durch wunderschöne Alleen und Wohngebiete. Der Verkehr wird allmählich besser und auch die Baustellen werden weniger. Die Abfahrt Leipzig steht nach wie vor angeschrieben – ohne Umleitung. Und tatsächlich! Mit fast ZWEIstündiger Verspätung gelange ich doch wirklich auf eine Autobahnzufahrt und verlasse ENDLICH Berlin. So sehr ich diese Stadt liebe, in diesem Moment, bin ich nur glücklich, endlich einen Weg hinaus gefunden zu haben. Ich könnte hüpfen vor Freude, wir haben es geschafft. Jippieh, endlich geschafft.

Nachdem ich erst mal eine Weile auf der freien Autobahn gefahren bin und auch Frau Navigation wieder mitreden darf, peile ich eine Raststätte an und versorge meine Mami und die Mädels mit Hamburgern & Pommes Frites. Meine gesamte Vorstellung und Planung ist natürlich dahin, doch was soll’s, irgendwie würden wir es schaffen. Mein geliebter Mann – dem ich an den unzähligen roten Ampeln, verzweifelt eine Sms geschrieben hatte – schickte mir eine Motivations-Nachricht. Das war toll.
Und so fahre ich – nach der Rast – in die Nacht hinein, unterhalte mich blendend mit meiner Mami, versuche meine Mädels gegen 22:00 Uhr zum Schlafen zu überreden, wobei Nr. 3 und 4 ziemlich überdreht sind. Uiuiui…

Und irgendwann gegen Mitternacht landen wir tatsächlich glücklich und geschafft zu HAUSE 🙂 . Was für eine Heimreise… Uff.

Also mein liebes Berlin, es war wie immer wunderschön bei dir, doch bevor ich das nächste Mal komme, werde ich die gesamte Deutschlandkarte auswendig lernen, das schwöre ich 😉

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