Wer, wo, was bin eigentlich ich?

Tatsächlich stelle ich mir diese Frage immer mal wieder… irgendwo zwischen Brotboxen zubereiten, Wäsche aufhängen, Streit schlichten, aufräumen, berufliche Weiterbildung, Popo abputzen, Kleider sortieren, Zimmer umräumen, Hausaufgaben durchgehen, Elternbeiratstätigkeiten, Taxifahrten, Kuscheln, Kühlschrank auffüllen, Kommunikationskonzept entwickeln, Gute-Nacht-Geschichte vorlesen, Albträume vertreiben oder beim Kochen für’s Mittagessen.

img_9361-1

Da taucht sie dann einfach auf, diese Frage –> Wer, wo, was bin eigentlich ich?

Manchmal wird sie aber auch bei einer Vorstellungsrunde im Kick-off Meeting oder im  Social-Media-Kontext gestellt. Dieses „Kannst du dich bitte kurz vorstellen-Ding“. Zugegeben, je öfter man diese Frage beantwortet, desto leichter kann ich darauf antworten. Doch es sind dann meist nur die Eckpunkte meines Lebens, die Dinge, die man bereits erreicht oder vielleicht auch nicht erreicht hat. Und während ich im Social-Media Kontext wesentlich mehr über mein Mami-Dasein plaudere, so geht es beim Arbeiten doch eher um meine beruflichen Skills…

Und genau in solchen Momenten fällt mir auf, dass ich irgendwie „viele“ bin...,
dass ich gar nicht sagen kann, wer ich eigentlich genau bin und wie ich mich definieren würde. Schlimmer noch, manchmal erkenne ich mich selbst kaum wieder. Sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Manchmal bin ich auch über mich selbst überrascht. Aber hin und wieder passieren die Dinge auch einfach. Dann denke ich gar nicht darüber nach, ob ich diese Baustelle bewerkstelligen kann oder nicht, beziehungsweise ob sie gerade in mein Leben passt. Und zack hänge ich in einer neuen Situation drin, muss ungewollt mein Wissensspektrum erweitern, in Bereichen, in denen ich mich eigentlich gar nicht sehe oder die ich mir gar nicht zugetraut hätte.

Am interessantesten wird das Ganze dann, wenn ich noch Zeitschriften oder Bücher zwischen die Finger bekomme, die sich mit der Frage beschäftigen, wie man sich am besten selbst verwirklichen kann, seine Träume lebt, sein wahres Glück findet und nur noch die Dinge umsetzt, die einem wirklich gut tun. Da rattert dann das Fragen-Karussell durch meinen Kopf 🙈:

 Verwirkliche ich mich tatsächlich in meinem Job?
Oder liegt meine Selbstverwirklichung in der Familie?
Wer bin ich am Ende meiner Selbstverwicklung?
Gibt es überhaupt ein Ende oder ist es nicht eher ein lebenslanger Prozess?
Wieso sollte mein Job nicht einfach ein Job sein, mit dem ich mein Geld verdiene und die Krankenkasse bezahle?
Ist Glück messbar?
Ist meine wunderbare Familie nicht das größte Glück, das ich haben kann?
Gibt es etwas Größeres als die Liebe?
Warum habe ich dann manchmal das Gefühl mich im Alltagstrubel zu verlieren?
Wie kann ich sicherstellen, dass ich nur noch die Dinge tue, die mir guttun?
Ist das überhaupt machbar im Leben?
Was sind meine Stärken?
Und sieht dies mein Umfeld auch so? Oder nur ich?
Was macht mich aus?
Warum fühle ich mich immer mal wieder getrieben?
Was würde ich anders machen, wenn ich noch mal von vorne anfangen würde?
Wie sähe mein Weg aus, wenn das Schicksal nicht hier und da zugeschlagen hätte?
Wäre ich zufriedener, wenn ich auf dem Land leben würde?
Bin ich wirklich die Frau, die ich sein wollte?

Und während ich all diese Fragen hier niederschreibe, tauchen auch hier und da ein paar Antworten auf, die wesentlich klarer sind, als ich es mir gedacht hätte 😌.

Nun ich bin also viele:

Mami von vier Töchtern, Ehefreundin (des welt-besten Mannes), Change-Managerin, Wann-immer-es-meine-Zeit-zulässt-Bloggerin, Diplom-Pädagogin, Tochter (einer wunderbaren Mami), Schwester eines verstorbenen Bruders, Elternbeirätin, Freundin, Tante zweier Kinder, die ihren Vater früh verloren haben, Schwiegertochter, plötzlich Einzelkind, Nachlassverwalterin…

Mit Sicherheit bin ich zuweilen auch zu viele.
(Merke ich gerade selbst, wo ich das alles so schreibe 😉)

Und ja, das ein oder andere Ding könnte ich sicherlich einfach mal abgeben, wie zum Beispiel das Thema Elternbeirat. Andererseits finde ich das ehrenamtliche oder auch soziale Engagement von großer Bedeutung, insbesondere um meinen Töchtern zu zeigen, wie wichtig es ist, sich für etwas oder jemanden einzusetzen, auch wenn daraus kein persönlicher Profit entsteht.

Bei anderen Themen wird es schon schwieriger. Das Bloggen zum Beispiel. Ich komme im Moment leider nur noch selten dazu, aber es macht mir einfach unglaublich viel Spaß und es ist nur für mich. Für mich ganz alleine – unabhängig von meinem Umfeld. Etwas, das in mir eine große innere Zufriedenheit auslöst und meinen Alltag in kleinen Geschichten festhält.  So gesehen also etwas, an dem ich lieber festhalten möchte, auch wenn es zeitlich manchmal eine Herausforderung ist.

Und dann gibt es da noch so Erfahrungen im Leben, auf die hätte ich auch einfach verzichten können. Wirklich verzichten können. Insbesondere in meiner Jugend. Und dieses Gerede, dass man durch solche Erfahrungen auch innere Stärke und was-weiß-ich-nicht-alles gewinnen kann, möchte ich so nicht ganz unterschreiben. Denn selbst wenn man durch Schicksalsschläge – laut diverser Printmedien und Psychologen zumindest – irgendetwas gewinnt, so verliert man auch schlagartig seine Unbeschwertheit und seinen Glauben an das Lebensfundament. Und ob man diesen Erfahrungen wirklich stets etwas Gutes oder Bereicherndes abgewinnen kann, wage ich mal zu bezweifeln.

Nun, ich denke diese Fragerei wird mich noch eine lange Zeit begleiten und auch immer mal wieder herausfordern. Doch dank all dieser Überlegungen hier, ist mir eins ganz klar geworden –> unabhängig von jeder Selbstverwirklichung, Karriere im Job oder Träume-Leberei, bin ich eine glückliche Mami von vier wundervollen Töchtern und habe eine tolle Familie mit der ich mein Leben teilen darf. Ich habe einen Job, der mir ein Teilzeitmodell ermöglicht und Spaß macht, kann im Bloggen meinen Gedanken freien Lauf lassen, koche leidenschaftlich gerne, versuche die Erinnerungen an meinen Bruder aufrechtzuerhalten – insbesondere für seine Kinder, bin unglaublich dankbar für die wunderbare Beziehung mit meiner Mami und genieße jede freie Minute mit meinem Lieblingsmenschen.

Und irgendwo zwischen Brotboxen vorbereiten, Wäsche waschen, Meetings abhalten, Bilder katalogisieren und Mittagessen kochen – da bin ICH 💗.

2 Gedanken zu „Wer, wo, was bin eigentlich ich?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s