Ein kleiner Anfang in ein „unverpackteres“ Leben…

Meine Lieben,

das Thema „Umwelt, Müll & Nachhaltigkeit“ beschäftigt mich ja schon eine ganze Weile und all die Bilder von Kindern, die in einem Meer aus Plastik baden, die verheerenden Unwetter und die sich verändernden Jahreszeiten treiben meine Gedanken um. Hinzu kommt, dass auch meine beiden ältesten Töchter mit genau diesen Themen aus der Schule kommen und mich vor einiger Zeit beim Mittagessen fragten, wie denn eigentlich die Ökobilanz unserer Familie ausfällt 😳. Ähhh… ja. Gute Frage. Das weiß ich eigentlich gar nicht.
Glücklicherweise wurde diese Frage dann in der Schule ausgearbeitet und zu meiner großen Erleichterung, kamen wir dabei gar nicht all zu schlecht weg. Allerdings gibt es noch eine Menge Luft nach oben. Dies wurde leider auch gleich klar. Dinge, die wir bisher (laut Ökobilanzrechnung) schon ganz gut machen sind beispielsweise nur ein Auto zu haben, zur Schule/ zum Kindergarten weitestgehend zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren, in einem gedämmten Haus zu leben, in der Regel nur einmal im Jahr fliegen oder den Müll so gut wir können zu trennen. Na immerhin. Aber beim Thema Müll erklärte mir meine Nr. 1 direkt, gibt es noch einiges was wir besser machen können und auch mir selbst fiel immer mal wieder auf, dass wir ganz schön viel davon produzieren, denn unsere Tonnen sind alle zwei Wochen randvoll (gewesen)… 🙆‍♀️

Und dann war da auch noch dieser Abend. Der Abend Ende November 2018, als ich vor dem Fernseher saß und 96 Säckchen für die Adventskalender meiner Töchter gefüllt habe. Während dieser wunderschönen und seeeeeeehr langwierigen Beschäftigung 🙄, kann man ja ziemlich viele Fernsehsendungen anschauen/ -hören. So geschehen an diesem Abend. Und während ich also fleißig ein Säckchen nach dem nächsten bestückte, wurde ich bei einer Sendung besonders aufmerksam und verfolgte eine Reportage zum Thema „Müllentsorgung“. Mein Glaube daran, dass meine Mülltrennung und -entsorgung irgendeinen Nutzen hätte, wird ein Stückweit zerstört und ich erfahre, dass lediglich eine kleine Prozentzahl des getrennten Mülls auch wirklich recycelt werden kann. Das Meiste wird einfach verbrannt! Ach her je. Vieles war mir gar nicht wirklich bewusst, wie zum Beispiel, dass all die Verpackungen, in denen Käse & Fleisch verkauft wird, nicht in den „gelben Sack“ gehören, da es sich hier um eine dreifach beschichtete PE-Verpackung handelt, die mit Lebensmitteln kontaminiert ist und somit nicht recycelt werden kann. Noch schockierter bin ich, als ich sehe, dass all die Bio-Lebensmittel, die in den Supermärkten in Plastik verschweißt sind und am Ende des Tages nicht verkauft werden konnten, KOMPLETT (also mit Verpackung) in den Kompostierwerken landen. Dort wird zwar dann versucht, das Plastik raus zu sortieren, aber ein gewisser Anteil landet immer im Humus, der wiederum an die Landwirtschaft weiterverkauft wird. So entsteht also Microplastik auf unseren Feldern… Oha.

Was soll ich sagen? Ich war so irritiert nach diesem Bericht und das, obwohl ich eigentlich davon ausgegangen war, dass ich ganz gut informiert bin in dieser Hinsicht. Hmmm… offensichtlich nicht.
Ich meine, seit längerer Zeit schon kaufe ich mein Obst und Gemüse so gut es geht ohne Plastikverpackungen, lasse Äpfel, Pilze & Co wild übers Kassenband kullern und bringe stets meine eigenen Einkaufstaschen mit. Doch nach all diesen Informationen, die ich da gehört und gesehen hatte, wurde mir klar, dass dies wohl nicht ausreichend genug ist. Dass es gar nicht nur darum geht auf Plastik zu verzichten – sondern eigentlich um viel mehr, nämlich um den Verzicht von VERPACKUNG im Allgemeinen. Dazu gehören auch all die Papiertüten, die in der Herstellung leider doppelt so viel Energie benötigen wie eine Plastiktüte und in der Regel seltener wiederverwendet werden als ihre Konkurrentin aus Plastik. All diese Informationen, gepaart mit den Beiträgen aus der Schule meiner Kinder , haben mich dazu bewogen, unseren Haushalt etwas umzustellen. Zum Glück habe ich nicht weiter über die aufkommenden Herausforderungen nachgedacht, sondern einfach angefangen 😉. Tatsächlich habe ich nämlich ganz schön unterschätzt, was solch eine Umstellung für eine sechsköpfige Familie sowohl in Aufwand (Zeit, Gedanken), als auch in Geld bedeutet…

Um dem Ganzen aber ein bisschen Nachdruck zu verleihen, habe ich uns dann noch zwei Ziele gesteckt: zum einen möchte ich den Müll all unserer Tonnen – bis auf Bio – um die Hälfte reduzieren – und zwar innerhalb von sechs Monaten. Und zum anderen, möchte ich bis Ende des Jahres auch unser Badezimmer so plastikfrei wie möglich gestalten. In der Theorie stehen wir alle hinter diesem Plan, aber die Realität sieht ja manchmal doch ein wenig anders aus 🙃. Insbesondere beim Thema Badezimmer, bin ich gespannt, ob meine Mädels da wirklich alle mitziehen… Mal sehen.

Und so habe ich letztendlich ganz konkret angefangen:
In den ersten Wochen habe ich unseren Kühlschrank soweit es geht von Plasitk – auf Glasflasche umgestellt:
–> Wasser und Sprudelflaschen
–> Joghurtbecher, Pudding & fertige Süßspeisen aus dem Kühlregal
–> Milchflaschen
–> Sahne
–> Ketchup
Unsere geliebte Streichbutter wurde von der Einkaufsliste gestrichen, stattdessen gibt es wieder die „normale“ Butter in Papier (naja eher Alu) gewickelt. Bei Frischkäse habe ich mich dumm und dämlich gesucht. Diesen konnte ich leider nirgends im Glas finden, falls ihr also einen Tipp habt, bin ich euch sehr dankbar 😊.
Dieser Teil der Umstellung war noch vergleichsweise einfach, auch wenn die Sprudelkästen und Milchflaschen doppelt so schwer sind. Beim Thema Milch ist mir allerdings aufgefallen, dass es weder lactosefreie noch Soja-, Hafer- oder Mandelmilch in Glasflaschen gibt – bisher habe ich diese nur in Tetrapacks entdeckt. Außerdem musste ich feststellen, dass es zwar ein paar Joghurtsorten im Glas gibt, aber nur einen einzigen Pudding! – alle anderen Kinderpuddings oder -nachspeisen (Fruchtzwerge, Monte, Danni Sahne und wie sie alle heißen) sind in Plastikbechern verpackt – zumindest in unserem Supermarkt-Center um die Ecke. Daraufhin habe ich mir mal einen Vormittag Zeit genommen und bin einige Bio-Supermärkte abgefahren, um zu gucken, welche Produkte ich hier im Glas oder auch unverpackt bekomme. Leider wurde ich auch hier nicht wirklich fündig. Davon abgesehen, musste ich feststellen, dass es ein extrem großer Zeitaufwand war, all diese Läden abzuklappern, mal ganz davon zu schweigen, dass ich diese Strecken nicht alle mit dem Fahrrad bewältigen konnte. Und so wurde das Sortiment in unserem Kühlschrank auf einen Schlag recht überschaubar, um nicht zu sagen –> gering 😅. Wir hatten zwar alle damit gerechnet, dass eine solche Umstellung entsprechende Konsequenzen mit sich bringen würde, aber wie sehr wir damit unsere Komfortzone verlassen mussten, war uns nicht wirklich bewußt.

So schnell aufgeben wollte ich allerdings auch nicht. Also besorgte ich uns viele wiederverwendbare Gemüsesäckchen (endlich kann man diese überall kaufen) und auch für Brot und Brötchen habe ich Beutel gekauft – diese allerdings aus Baumwolle. Die Preisunterschiede für die Gemüse-Säckchen sind immens, wobei sie fast alle aus der gleichen Faser hergestellt werden. Für Wurst und Käse habe ich nun stets ein Tupper dabei und schon lange lasse ich mir keine „Folie“ mehr zwischen Käse – oder Schinkenscheiben legen – auch wenn es schöner aussieht oder einfacher in der Handhabung ist.
Zu guter Letzt habe ich im ersten Schwung unserer Umstellung ein paar „gestrickte“ Spüllappen gekauft, die nach der Wäsche wieder wie neu sind und völlig unverpackt zu kaufen sind.

Nun ihr werdet es nicht glauben, aber allein diese wirklich kleinen Veränderungen, haben unsere gelbe und schwarze Tonne um ein drittel schrumpfen lassen. Wahnsinn! Darüber habe ich mich so sehr gefreut, dass ich dies bei einem schönen Abendessen unter einem reißerischen Aufmacher (ich muss euch heute etwas SENSATIONELLES erzählen! 🙌) meiner Familie verkündet habe. Meine Töchter allerdings fragten nur ganz trocken nach, was denn jetzt daran das „sensationelle“ sei??? 🙄😂 Sie hatten jetzt eher mit einer spontanen Urlaubsreise oder einem Shoppingausflug gerechnet… 💤 Naja, so habe ich mich eben alleine gefreut.

Aber ich bin ehrlich 😉… Es war und ist! auch eine ganz schöne Herausforderung – allein diese kleinen Schrittchen. Denn wann immer ich „spontan“ noch etwas einkaufen gehen möchte, muss ich gut überlegen, wie ich das mache, da ich eben doch nicht immer die entsprechenden Säckchen/ Tupper oder Taschen dabei habe. Viele Produkte bekomme ich bei uns im Supermarkt auch gar nicht unverpackt und so musste ich schon öfter einige meiner Essens-Ideen für die Woche wieder umschmeißen, da es die entsprechenden Gemüsesorten nur in Plastik eingewickelt gab. Und auch meine Töchter waren (und sind) nicht immer allzu begeistert. Zwar unterstützen sie die Idee voll und ganz und geben mir auch tolle Tipps, doch dass es seitdem eben keine „Fruchtzwerge, Kekse & Co“ mehr gibt, fanden sie dann doch nervig. In den ersten Wochen bin ich sehr strikt gewesen und habe selbst das Toastbrot für die Schulbrote nur noch unverpackt beim Bäcker gekauft – das ist machbar, keine Frage. Allerdings hat unser Bäcker nur alle drei Tage unverpacktes Toastbrot, so dass ich auch hier auf Alternativen zurück greifen musste. Diese wiederum haben aber nicht immer den Geschmack meiner Töchter getroffen und so gab es zu Beginn viele Stolpersteine mit denen ich nicht gerechnet hatte 🤷‍♀️. Es ist und bleibt ein ganz schönes Kopfkino und ich habe einige Wochen gebraucht, bis ich einen Weg gefunden habe, mit dem wir mittlerweile alle halbwegs leben können – im ersten Schritt. Von der ganz strikten Form, so gut wie alles unverpackt einzukaufen, musste ich erst Mal wieder ablassen. Leider. Denn in meiner Vorstellung war es beispielsweise ganz einfach auf Kekse, Chips & Süßes zu verzichten – schließlich kann ich all diese Dinge auch selbst machen und spare allein dadurch enorm an Verpackung ein (und gesünder ist es allemal). Was ich dabei aber völlig unterschätzt habe, ist der zeitliche Aufwand, den diese „ich mache alles selbst“- Lebensweise bedeutet. Ich koche ja ohnehin schon fast jeden Tag frisch und benötige dafür minimum ein bis eineinhalb Stunden, doch für sechs Personen täglich noch etwas Kuchen, Kekse, Müsli oder Chips selbst zu zubereiten, das ist dann zeitlich doch noch mal eine andere Hausnummer – als #workingmom sowieso. Um so mehr bewundere ich all die Familien, die dies hinbekommen. Chapeau! 🎩

Aber wie dem auch sei – einmal damit angefangen, wird man unglaublich sensibel in diesem Thema, man sieht überall nur noch Verpackung, Plastik und andere unnötige Dinge. Und auch wenn noch nicht wirklich alles rund läuft, so habe ich doch noch viele weitere Möglichkeiten entdeckt, die uns dem selbstgesteckten Ziel ein wenig näher bringen. 😌

Und so nehme ich euch bei meinem nächsten Beitrag mit in einen „Unverpackt-Laden“. Dieses Konzept begeistert mich sehr und inspiriert mich jedes Mal wieder auf’s Neue. Aber auch hier stehen wir erst am Anfang – aber der Weg ist das Ziel, oder?

Bis dahin,
alles Liebe 💗


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